Belgrad: "Spektakuläre neue Erkenntnisse"

2. Oktober 2003, 15:56
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Wochenzeitschrift kündigt diese für den Prozess gegen die Mörder Djindjics an

Belgrad - Die Belgrader Wochenzeitschrift "Nedeljni telegraf" behauptet in ihrer Mittwoch-Ausgabe, dass es im Prozess gegen die Mörder des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic "spektakuläre neue Erkenntnisse" geben wird. Laut der für gewöhnlich aus Polizeikreisen gut unterrichteten Zeitschrift dürfte sich dies auf die politischen Hintergründe des Mordanschlags beziehen. "Es wird für die Öffentlichkeit schockierend sein, zu sehen, dass der Mörder von Djindjic in seiner nächsten Nähe in der Regierung saß", zitierte die Zeitschrift einen ungenannten serbischen Minister.

Auch soll es sich dabei um die Person handeln, die "hinter allem stand". Der Prozess im Fall Djindjic soll noch im Herbst in Belgrad vor einem Spezialgericht zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität beginnen. Djindjic war am 12. März vor dem Regierungsgebäude von einem Angehörigen der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette" erschossen worden. Die Spezialstaatsanwaltschaft hatte vor einigen Wochen Anklage gegen 44 Personen erhoben, die in den Mordanschlag verwickelt sein sollen.

Videoaufnahmen

"Nedeljni telegraf" berichtete zudem, dass ein hohes serbisches Regierungsmitglied die Bosse der Zemun-Mafia, die der Ermordung von Djindjic beschuldigt wird, nach dem ersten gescheiterten Attentatsversuch auf den Regierungschef Ende Februar wiederholt besucht habe. Dies wäre auf Videoaufnahmen zu sehen, die am Eingang in die inzwischen abgerissene Villa der Zemun-Mafia gemacht worden seien.

Vor einer Expertenkommission der serbischen Regierung, die sich mit eventuellen Unterlassungen des Wachdienstes des ermordeten Regierungschefs befasst hat, soll andererseits eine der verhörten Personen, gerade dieses Regierungsmitglied mit der Ermordung von Djindjic direkt in Verbindung gebracht haben.

Anhaltende Gerüchte

Bestimmte Kontakte zur Zemun-Mafia "im Staatsinteresse" hatte im Juni der serbische Vize-Ministerpräsident Cedomir Jovanovic vor einer parlamentarischen Kommission zugegeben. Viele Fragen blieben in der öffentlichen Anhörung allerdings offen. In der serbischen Öffentlichkeit gibt es anhaltende Gerüchte, dass auch einige andere Regierungsmitglieder in Kontakt mit den Mafia-Bossen standen. (APA)

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    Der serbische Regierungschefs Zoran Djindjic ist im März erschossen worden. Der Prozess soll noch im Herbst beginnen.

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