"Ich muss meine Mission zu Ende führen"

1. Oktober 2003, 18:37
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Prodi schließt Kandidatur in Italien aus

Rom - EU-Kommissionspräsident Romano Prodi dementiert Gerüchte, nach denen er sich mit Blick auf die Europawahlen im Juni 2004 an die Spitze einer italienischen Mitte-Links-Bewegung stellen könnte, um die Regierungskoalition von Silvio Berlusconi unter Druck zu setzen. "Ich werde keine Kandidatur einreichen. Ich sehe keinen Grund, frühzeitig mein Amt in Europa aufzugeben. Ich werde bis zur letzten Minute in Brüssel als Präsident der EU-Kommission bleiben. Ich muss meine Mission zu Ende führen", betonte Prodi im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Mittwochsausgabe). Prodis Amtszeit läuft Ende 2004 aus.

Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz in Italien hatte den früheren italienischen Ministerpräsidenten in den vergangenen Wochen aufgefordert, die Gründung einer einheitlichen Mitte-Links-Bewegung in die Wege zu leiten, die die italienische Opposition bei den Europawahlen zum Erfolg führen soll. Prodi hatte bei den italienischen Parlamentswahlen 1996 an der Spitze des Mitte-Links-Bündnisses Ulivo (Ölbaum) gegen Silvio Berlusconi gewonnen und bis Oktober 1998 Italien regiert. Im Jahr 1999 wechselte Prodi in die Brüsseler Behörde.

"Test"

Die Unterstützung Prodis sei für einen Erfolg bei den entscheidenden Europawahlen ausschlaggebend, wird in römischen Linkskreisen betont. Die Europawahlen würden ein Test in Hinblick auf die Parlamentswahlen 2006 sein, bei der sich die Linke eine Revanche gegen Berlusconi erhoffe, so der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, der zu den maßgeblichen Unterstützern der Initiative gehört.

Die Gründung einer einheitlichen Liste, an der sich ohne Parteisymbole alle Gruppierungen des Ulivo beteiligen sollen, beschäftigt die Opposition seit Wochen. Im Juli hatte Prodi die Linke aufgerufen, einen soliden Anti-Berlusconi-Block vor den Europawahlen aufzubauen. Oppositionschef Francesco Rutelli und der Vorsitzende der Linksdemokraten (DS), der stärksten Oppositionspartei, Piero Fassino, begrüßten Prodis Vorschlag, während andere Gruppierungen des Ulivo-Bündnisses wie die Grünen und die katholische Udeur sowie die altkommunistische Rifondazione und die Italienischen Kommunisten (PDCI) das Projekt ablehnten.

Hoffnung auf einheitliche Reformpartei

Im Corriere-Interview äußerte Prodi die Hoffnung, dass die neue einheitliche Reformpartei der Linke auch ohne seine Unterstützung in Hinblick zu Stande kommen werde. "Warum sollten sie es auch ohne mich nicht schaffen?", fragte Prodi. Er schloss eine vorzeitige Rückkehr nach Italien, auch im Falle eines Sturzes der Regierung Berlusconi und darauffolgenden Neuwahlen aus. (APA)

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