Einarmige Banditen verdrängen Croupiers

9. Oktober 2003, 16:51
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Der heimische Glücksspielkonzern Novomatic ist bei einarmigen Banditen mit der Verbindung von klassischem Roulettetisch und Hightech zum Weltmarktführer geworden

Für die Croupiers in den Spielkasinos brechen weltweit harte Zeiten an. Der Grund: "Das ,Lebendspiel' geht zurück", sagt Johannes Hahn, Vorstandschef des niederösterreichischen Glücks 2. Spalte spielkonzerns Novomatic, bei einer Informationsreise in Portugal. Lebendspiel, die direkte Übersetzung des Fachterminus "Live Game" bezeichnet das klassische Spiel an den Tischen - Roulette, Black Jack, Poker - oder in Portugal das einheimische, eigen 3. Spalte tümliche Tischwürfelspiel "Banca francesa". Die Kasinobesucher werfen von Jahr zu Jahr mehr in die Slots.

In Österreich werden ebenfalls bereits 62 Prozent der Umsätze mit den Hightechnachfolgern der "Einarmigen Banditen" gemacht, in der Schweiz sind es 70 Prozent, in Deutschland 80 Prozent, in Portugal 85 und in Frankreich - der Heimat des Roulettespiels - gar 95 Prozent. Beispiel Portugal: Manuel Violas, Kasinodirektor in Porto, zeigte dem Standard einen Versuch, zwischen den Hunderten Automaten auch zwei Roulettetische aufzustellen - um die Automatenspieler zu etwas Neuem zu bringen. Die Croupiers saßen aber alleine an den Tischen. "Wir werden das voraussichtlich wieder beenden", so Violas. Die Live- Game-Tische werden weiterhin nur im Saal der "jogos tradicionais" zu finden sein.

Sterben die Croupiers deswegen aus? "Sicher nicht", sagt Jens Halle, weltweit für den Vertrieb der Kasinogeräte von Novomatic zuständig, "sie sind für die Atmosphäre in den Kasinos wichtig." Novomatic entwickelte deswegen auch Live-Spiel-Geräte, die PC-Technologie, Bildschirme und das bekannte Set-up eines Roulettetisches mit Kessel, Kugel und - eventuell - auch Croupier in Verbindung bringt. Bei diesen vernetzten Terminaltischen sind die Gumpoldskirchner mittlerweile weltweit Marktführer.

Spiel am Bildschirm

Mit dem Spiel an Bildschirmen und nicht direkt an einem Tisch sollen auch unerfahrene Kasinobesucher an die klassischen Spiele herangeführt werden, so Halle. Die Croupier-Gilde in Österreich konnte davon noch nicht überzeugt werden: Kein einziger dieser so genannten Touch-Bet-Tische konnte bisher an die Casinos Austria AG verkauft warden, so Hahn, zu groß sei noch der Widerstand der Herren der Spieltische (in Österreich als einziges Land weltweit übrigens ausschließlich Herren).

Novomatic ist ein integrierter Glücksspielkonzern, das heißt man entwickelt Kasinogeräte - Automaten und Tische -, vertreibt diese weltweit, betreibt aber auch selbst Kasinos. Für den prognostizierten Umsatzzuwachs von zwanzig Prozent im heurigen Jahr sei auch hauptsächlich das Casino-Operating-Business verantwortlich, so Vorstandschef Hahn, 2003 werde die Novomatic Group 330 Millionen Euro umsetzen, nach 280 Mio. im Vorjahr.

Vor allem der Umstand, dass die vier Novomatic-Kasinos in der eben erst in Sachen Glücksspiel liberalisierten Schweiz "voll angelaufen" seien, habe diesen Umsatzsprung verursacht. Novomatic festigte damit die Position als drittgrößter Glücksspielkonzern Europas nach der deutschen Gauselmann-Gruppe und der spanischen Unidesa. (Leo Szemeliker aus Porto, Der Standard, Printausgabe, 04.10.2003)

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    Für die Croupiers in den Spielkasinos brechen weltweit harte Zeiten an. Es wird immer weniger an Tischen gespielt, die Automaten werden stetig mehr.

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