Bolivien: 40.000 protestieren gegen geplanten Gasexport

2. Oktober 2003, 11:49
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Beteiligung an Generalstreik jedoch gering - Präsident Sanchez de Lozada weist Rücktrittsforderung zurück

La Paz - In Bolivien haben Zehntausende gegen die Entscheidung der Regierung demonstriert, Erdgas über Chile in die USA und nach Mexiko zu exportieren. An der größten Protestveranstaltung am Dienstag in der Hauptstadt La Paz nahmen nach Angaben von Beobachtern bis 40.000 Menschen teil. Auch in den Städten Oruro und Cochabamba gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Die Demonstrationen waren Teil eines für Montag und Dienstag von der Einheitsgewerkschaft COB ausgerufenen landesweiten Streiks.

"Ausverkauf des nationalen Reichtums"

Die Beteiligung an dem Ausstand war jedoch gering. Auch in La Paz, wo der Streikaufruf im Vergleich die größte Resonanz fand, wurde in den meisten Sektoren normal gearbeitet. Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada wies Forderungen nach seinem Rücktritt zurück und nannte die Demonstranten eine "sehr radikale Gruppe, die behauptet, von der Straße aus zu regieren".

Die bolivianischen Bauern und Gewerkschafter kritisieren die Entscheidung der Regierung zur Ausfuhr von Erdgas in die USA und nach Mexiko. Sie werfen der Regierung einen "Ausverkauf des nationalen Reichtums" vor und kritisieren die ihrer Ansicht nach zu geringen Gewinnspannen für den Andenstaat. Außerdem protestieren sie dagegen, dass das Gas nicht nach Peru, sondern nach Chile gebracht und von dort aus verschifft werden soll. Durch einen Krieg gegen das Nachbarland Chile Ende des 19. Jahrhunderts hatte Bolivien seinen Zugang zum Meer verloren. Vor einer Woche waren bei bewaffneten Zusammenstößen zwischen Bauern und Sicherheitskräften in dem Andendorf Warisata nördlich von La Paz mehrere Menschen getötet worden. (APA)

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    Gegen den "Ausverkauf des nationalen Reichtums" - das Gas soll nicht verkauft werden

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    40.000 protestieren gegen geplanten Gasexport - Beiteiligung am genrealstreik war jedoch gering

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