Umstrittener Grenzzaun soll ausgeweitet werden

1. Oktober 2003, 16:34
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Zustimmung des israelischen Kabinetts - Anführer des Islamischen Jihad festgenomen

Jerusalem/Jenin - Das israelische Kabinett hat am Mittwoch einer weiteren Ausdehnung des umstrittenen Grenzzauns zugestimmt. Der Zaun soll mehrere jüdische Siedlungen auf dem Gebiet des Westjordanlands umfassen, wird aber auf Druck der USA Lücken aufweisen, wie das israelische Radio berichtete. So soll östlich der Siedlung Ariel eine Barriere errichtet werden, die zunächst nicht mit dem weiter westlich verlaufenden Grenzzaun verbunden wird.

Die Grenzziehung bei Ariel ist besonders umstritten. Ariel einzubeziehen würde bedeuten, dass ein bis zu 30 Kilometer breiter Gebietsstreifen palästinensischer Ländereien hinter den israelischen Zaun käme. Die Palästinenser bezeichnen die Grenzziehung deshalb als Landraub. Auch die US-Regierung ist strikt gegen die Einbeziehung Ariels.

Anführer des Islamischen Jihad festgenomen

Die israelische Armee hat am Mittwoch im Westjordanland Augenzeugen zufolge ein hochrangiges Mitglied der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad festgenommen. Die Gruppe, die die Zerstörung des Staates Israel anstrebt, kündigte umgehend Vergeltung an. Israelische Soldaten seien mit Panzer- und Hubschrauberunterstützung in der Früh im Schutz der Dunkelheit in ein Flüchtlingslager nahe der Stadt Jenin eingedrungen und hätten Haus für Haus unter anderem nach Scheich Bassam Saadi abgesucht, berichteten die Augenzeugen.

Mit Sprengstoff präpariertes Auto gefunden

Saadi - ein hochrangiges Mitglied des Islamischen Dschihad im Westjordanland - sei dann von Spürhunden nahe einer Moschee unter einem Auto versteckt gefunden worden. In israelischen Militärkreisen wurde die Festnahme bestätigt. Zudem habe die Armee in Jenin ein mit Sprengstoff präpariertes Auto gefunden, das für einen Selbstmordanschlag in Israel eingesetzt werden sollte.

Extremisten kündigen Vergeltung an

Den Augenzeugen zufolge wurden zudem drei weitere mutmaßliche radikale Palästinenser festgenommen. Ein Dschihad-Vertreter kündigte in Gaza-Stadt umgehend Rache an. "Der Feind wird einen hohen Preis zahlen müssen für die Gefangennahme und für die täglichen Verbrechen an unserem Volk." Der Widerstand der Palästinenser werde dadurch im vierten Jahr des jüngsten Aufstands nicht geschwächt, sondern weiter angefacht. Der Islamische Dschihad ist für zahlreiche Selbstmordanschläge mit hunderten Toten verantwortlich.

Der 42-jährige Saadi stand bereits seit zwei Jahren auf der israelischen Fahndungsliste. Nach Informationen aus Palästinenserkreisen sind erst vor kurzem zwei seiner Söhne bei Gefechten mit israelischen Soldaten getötet worden. Bei weiteren Durchsuchungen des Militärs im Westjordanland wurden nach israelischen Militärangaben nahe Nablus, Ramallah und Hebron 14 mutmaßliche radikale Palästinenser festgenommen. Nach Augenzeugenberichten sprengten Soldaten dabei zwölf Wohnungen in die Luft. (APA/Reuters/dpa/AP)

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