Von der Regierung in den Weingarten

1. Oktober 2003, 16:34
2 Postings

Landesrat Pöltl ging, Seitinger kam

Graz - Keiner auf der steirischen Regierungsbank hatte es länger im Landtag ausgehalten, als der zurückgetretene VP-Agrar- und Umweltlandesrat Erich Pöltl (VP), der am Dienstag nach 30 Jahren an seiner letzten Landtagssitzung teilnahm. Der 61-Jährige, der in den letzten Jahren seiner Amtszeit durch den steirischen Schweinemastskandal auch negative Schlagzeilen machte, hatte den Zeitpunkt seines Ausscheidens selbst gewählt, wie Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic betonte.

Zum Abschied gab es für den volksnahen Politiker, der auch nach drei Jahrzehnten im Landtag eine Rede in unverfälschtem Oststeirisch hielt, Lob von allen Fraktionen. Herz und Hausverstand, Charme und Humor, Bauernschläue und Menschlichkeit wurden ihm von Klasnic und dem steirischen SP-Chef Franz Voves attestiert. Die Grünen-Abgeordnete Edith Zitz lobte seinen Fleiß in diversen Ausschüssen, wo er sich der "wirklichen Knochenarbeit" weit öfter aussetzt habe als die anderen Regierer. Für Pöltl selbst begann sein politisches Leben schon als Kind im oststeirischen Löffelbach, wo er seinem gehörlosen Vater beim Viehhandel dolmetschte. Nur vor dem EU-Beitritt und der Umweltpolitik habe er sich anfänglich gefürchtet. In Zukunft wolle er "vom Weingarten aus mit dem Walkman im Ohr horchen, wie es euch da geht".

Pöltls Nachfolger Johann Seitinger (42) wurde mit 48 von 55 Stimmen gewählt. Es gab sieben Stimmenthaltungen, obwohl nur die drei Grünen-Abgeordneten angekündigt hatten, den Nebenerwerbsbauern und Bürgermeister der obersteirischen Gemeinde Frauenberg nicht zu wählen. (cms/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2003)

Share if you care.