Heereskontrollor prangert Missmanagement der Armee an

1. Oktober 2003, 16:34
posten

Militär verwendet scharfe Munition aus Mangel an Gummigeschossen oder Tränengas

Jerusalem - Israelische Soldaten gehen zum Teil nur aus mit scharfer Munition gegen Palästinenser vor. Dies ist eines von zahlreichen Beispielen für Missstände beim Militär, die in einem am Dienstag vorgestellten Bericht des staatlichen Heereskontrollors aufgelistet werden. Auflagen aus dem vergangenen Jahr wie die Beschaffung von mehr Gummigeschossen oder Tränengas seien einfach ignoriert worden, heißt es in dem 108 Seiten starken Dossier.

Die Knappheit an nichtscharfer Munition habe womöglich zu Todesfällen geführt, stellte der Kontrollor fest. Nach den Bestimmungen der Armee dürfen die Soldaten nur mit scharfer Munition schießen, wenn Leben in Gefahr ist oder Warnungen ignoriert wurden. Der Bericht zitiert einen Kommandanten, dessen Einheit ihre Einsätze aus Munitionsmangel in die Nachtzeit verlegte, weil die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Palästinensern in der Dunkelheit geringer war. Die Armee erklärte, sie bemühe sich um die Entwicklung nichtscharfer Munition sowie um deren Beschaffung. "Unglücklicherweise haben wir noch keinen technischen Durchbruch in der Welt gefunden", heißt es in einer Erklärung.

Die erwartete Rechtfertigung mit dem Verweis auf Haushaltskürzungen wollte Heeresprüfer Elieser Goldberg nicht durchgehen lassen. "Wenn ich die Entschuldigung akzeptieren würde, könnte ich mein Büro schließen", sagte er. "Nicht alles liegt am fehlenden Geld. Oft ist Missmanagement schuld." (APA/AP)

Share if you care.