Der Landwirt Johann Seitinger wurde steirischer Umweltlandesrat

1. Oktober 2003, 17:16
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Wenn er von Schafen spricht, gerät der 42-jährige Obersteirer fast ins Schwärmen. "Bei den Schafen kann man einiges lernen", sinniert Johann Seitinger eine Stunde, nachdem er als steirischer VP-Landesrat für Landwirtschaft und Umwelt angelobt worden ist. Das Schaf sei ein einzigartiges Produkt, dem es nur noch an einem professionellen Marketing gefehlt habe.

Für Letzteres setzte sich Seitinger in den vergangenen 14 Jahren als Geschäftsführer des Steirischen Schafzuchtverbandes mit seinen insgesamt 3500 Schafbauern ein. Eine Aufgabe, bei der man ihn "wohl von außen als Brückenbauer beobachtet" und ihn deswegen - als Wunschkandidat von Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic und zur Überraschung der eigenen Partei - in die steirische Landesregierung berufen habe.

Der Sohn eines obersteirischen Bergbauern in der 172 Einwohner zählenden Gemeinde Frauenberg, die ihn vor vier Jahren zu ihrem Bürgermeister wählte, ist gelernter Landwirt mit Handelsschulabschluss. Stationen seiner eher unauffälligen politischen Karriere waren für Seitinger der Obmann und der Bezirksvorstand der Landjugend, bevor er 1985 Mitglied im Gemeinderat wurde. Seit drei Jahren sitzt der Nebenerwerbsbauer auch im Landesvorstand des Bauernbundes und ist Berater der Landwirtschaftskammer - das Funktionärsdasein ist sein Hauptberuf. Alles andere als unauffällig war das Wahlergebnis, das Seitinger bei den Gemeinderatswahlen 2000 einfuhr: 70,83 Prozent konnte er für seine Partei verbuchen, ein Zugewinn von 22,86 Prozent.

In seinem neuen Amt muss sich Seitinger aber noch mit anderen Problemen beschäftigen: Für die unter der bundesweit stärksten Feinstaubbelastung leidende Landeshauptstadt Graz hat er schon konkrete Vorschläge. Neben Auflagen für die Autoindustrie, um Dieselmotoren umzubauen, könne er sich auch zonenweise Beschränkungen des Individualverkehrs vorstellen. Außerdem sei er davon überzeugt, dass man den öffentlichen Verkehr für Grazer und Pendler ausbauen müsse.

Dass dies mitunter langjährige Forderungen der Grünen sind, stört den schwarzen Politiker nicht im Geringsten: "Jeder politische Verantwortungsträger muss schauen, mit wem er seine Ideen umsetzen kann", schmunzelt er. Schwarz-Grün sei ein gangbarer Weg, denn letztlich sei es auch ureigenster Gedanke christlicher Politik, die Umwelt sauber zu halten.

Privat engagiert sich der Vater einer 17-jährigen Tochter und eines 14-jähriges Sohnes nicht nur auf dem eigenen Hof, sondern auch seit 26 Jahren als glühendes Mitglied der freiwilligen Feuerwehr seiner Gemeinde. Seine Ehefrau Anna und seine Kinder unterstützen seine Entscheidung, nun auch in die Landesregierung einzutreten. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2003)

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