Überlebenskampf - Von Claudia Ruff

9. Oktober 2003, 10:32
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Die Fusion von Air France und KLM leitet eine Neuordnung in Europas Luftfahrtbranche ein

Der nun offiziell besiegelte Zusammenschluss von Air France und der niederländischen KLM, dem auch die Alitalia beitreten will, leitet eine Neuordnung in Europas Luftfahrtbranche ein. Erstmals fusionieren zwei Airlines und begnügen sich nicht mit einer Allianz-Partnerschaft. Entscheidend war der Kostendruck, der auf der gesamten Branche lastet. Die Verantwortlichen der neuen Linie Air France-KLM erwarten sich Kosteneinsparungen von bis zu 600 Millionen Euro.

Geplagt von Terror, Krieg und Sars, aber auch von aggressiv expandierenden Billigfliegern, kämpfen viele Airlines ums Überleben. Swissair und Sabena gingen bereits Pleite, KLM schrieb chronisch Verluste, und Staatscarrier wie Alitalia erwirtschafteten selbst in guten Zeiten keine Gewinne. Ganz zu schweigen von Linien wie Qlympic, die portugiesische TAP, Air Malta oder Turkish Airlines, die nur aus Nationalstolz weiter fliegen. Experten erwarten, dass mittelfristig in Europa nur drei große Airlines - Lufthansa, British Airways und Air France - überleben werden. Daneben bleibt Platz für Nischenanbieter wie die AUA, die sich auf das Osteuropageschäft spezialisiert.

Bisher scheiterten Fusionen an den zwischenstaatlichen Luftverkehrsabkommen. Diese enthalten so genannte Nationalitätenklauseln. Demnach dürfen nur Fluggesellschaften in ein bestimmtes Land fliegen, deren Eigentümer aus einem der beiden Vertragsstaaten stammt. Sobald eine Fluggesellschaft ihre Nationalität ändert, verliert sie die Streckenrechte außerhalb der EU. Die KLM wird daher zumindest Teile ihre Verkehrsrechte abgeben müssen. Mit der Aufhebung dieser Beschränkungen und staatsübergreifenden Luftverkehrsabkommen will die EU die Bereinigung am Himmel künftig vorantreiben - das muss sie aber erst vor allem gegenüber den USA durchsetzen. (DER STANDARD Printausgabe, 1.10.2003)

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