Eine Schule, die alle alles lehren soll

6. Oktober 2003, 17:27
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Grazer ÖVP drängt weiter auf Gesamt-und Ganztagsschulen

Graz - Nicht nur die Zentrale der steirischen ÖVP am Grazer Karmeliterplatz wird zurzeit umgebaut, auch hinter der teils noch eingerüsteten Fassade werden in Sachen Bildungspolitik alte Mauern eingerissen.

Der Initiator der von der Bundes-VP skeptisch beäugten Diskussion über Gesamt-und Ganztagsschulen, Landesgeschäftsführer und Bundesrat Andreas Schnider, hatte Montagabend den Schweizer Pädagogen Anton Bucher eingeladen, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Der Andrang zur Veranstaltung, die mit einem Seitenblick auf eine traditionell rote Idee "zwischen Ideologie und Wirklichkeit" untertitelte, war derartig groß, dass man sie in weitere Räume übertrug.

Auch Lehrer, Schuldirektoren und Eltern lauschten den Ausführungen Buchers über die Ganztagsschule, die außer in Österreich und Griechenland in jedem europäischen Land die Regelschule darstellt. Es gehe nicht um "Kinderaufbewahrung", sondern um die Umsetzung eines erweiterten, moderneren Lernbegriffes, betonte Bucher.

Die Gesamtschule, so Bucher weiter, habe in der Pädagogik seit Jahrhunderten Befürworter in den verschiedensten politischen Lagern. Sie alle forderten vor allem, dass eine Schule "alle alles lehren soll". Neben der Chancengleichheit, die dadurch eher gegeben sei, wies der Universitätsprofessor mit Lehrstuhl in Salzburg auch auf Statistiken hin, wonach von Zehnjährigen getroffene Berufsentscheidungen sich zu 50 Prozent als falsch erwiesen hätten. In einer Gesamtschule würden diese Entscheidungen später erfolgen. (cms/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2003)

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