Tempo, Tempo - von RAU

1. Oktober 2003, 18:12
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Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer hat seinem Zorn deutlich Ausdruck verliehen: "Die Voest-Privatisierung kam zum falschen Zeitpunkt, das Tempo war zu schnell." Ja, richtig, aber warum kam es so? Im Frühsommer stand im profil, dass in der ÖIAG eine Gruppe unter dem Decknamen "Minerva" daran arbeite, im Zuge der Privatisierung die Voest der Magna von Frank Stronach im Handstreich zu übereignen. Finanzminister KHG, vormals PR-Mann bei Stronach, will davon nichts gewusst haben. Diese Aussage hat er mit seinem Gewissen abzumachen, aber die Optik war jedenfalls fatal. Es folgte ein Tohuwabohu: Grasser schloss zuerst einen "strategischen Investor" (also Stronach) aus, dann wieder doch nicht. Inzwischen dämmerte den großen Privatisierern, dass Ende September Landtagswahlen in Oberösterreich sind. Das Schicksal der Voest weiter in Schwebe zu lassen, das konnte man Pühringer nicht antun. Also verkündete Grasser - wohl in Absprache mit Schüssel - den neuesten Kurs: Die Voest wird über die Börse privatisiert, und zwar rucki-zucki! Aber da war es schon zu spät, die Voest war Wahlkampfthema. Pühringer kann sich bei Schüssel, aber ebenso sehr bei Grasser bedanken. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2003)
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