"2004 fährt der Zug für den Euro nach oben"

8. Oktober 2003, 19:35
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Asien verringert die Stützungskäufe in Dollar, Hedgefonds setzen sich auf den Markttrend: Der Euro steigt rasant

Wien - Die kurze Erholungsphase für die europäischen Exporteure ist vorbei. Der Euro steigt derzeit zum Dollar in einem Tempo, das sogar Währungsanalysten überrascht, und arbeitete sich am Dienstag fast bis zur 1,17-Marke empor. Die nächste Testmarke sollte das Sommerhoch von 1,194 sein.

"Wenn das so weitergeht, kommt die Europäische Zentralbank unter Druck, die Zinsen zu senken", glaubt Valentin Hofstätter, Währungsexperte in der Raiffeisen Zentralbank. Als dafür kritische Marke sieht er 1,20 mit Richtung 1,25.

Zur Erinnerung: Der mit 1,16 bis 1,19 hohe Eurokurs vor dem Sommer hatte die Bilanzen der europäischen Exporteure und auch ihre Aktienkurse belastet, weil er ihre Lieferungen erschwerte.

USA profitieren vom schwachen Dollar

In den vergangenen Tagen zeichnete der steigende Euro erneut die Kurse an den europäischen Börsen. Die USA dagegen profitieren vom andererseits schwächeren Dollar, er stützt das Anspringen ihrer Konjunktur, was gerade im Wahljahr von zentraler Bedeutung für die USA sein wird.

Begonnen hat der Aufwärtstrend des Euro Anfang September, als der Fluss guter Konjunkturnachrichten stagnierte und die USA überraschend schlechte Arbeitsmarktdaten vorlegten.

Zwar zeigen die US-Konjunkturindikatoren nach oben - aber es gibt keine Neuigkeiten. Das allein reichte, dass der Dollar verkauft wurde. Dazu haben auch die asiatischen Länder ihre Stützungskäufe in Dollar eingestellt und eine graduelle Aufwertung ihrer Währungen zugelassen. Japan tut dies etwa, weil großer Profit aus dem US-Aufschwung für die eigenen Exporteure erwartet wird und es sich die Japaner quasi leisten konnten, weniger Anstrengung auf den Schutz ihrer Währung zu verwenden. Damit fällt aber ein großer Teil der Nachfrage nach Dollar weg, was den Greenback schwächt.

Hedgefonds verkaufen Dollar

Damit ist eine Marktbewegung in Gang gekommen, auf die sich Devisenspekulanten setzen und sie so noch verstärken: Hedgefonds hatten am Montag massiv Dollar verkauft und somit zu einer Aufwertung des Euro zum Dollar von einem Prozent beigetragen.

Bei der Frage, wie weit der Euro steigen wird, sind die Währungsanalysten nicht einig, nur dass er weiter steigen wird. Das hat etwa das Investmenthaus Morgan Stanley dazu veranlasst, europäische Aktien in ihren Portfolios jetzt zu reduzieren.

Internationale Häuser haben ihre Euro-Prognosen bis auf 1,40 im kommenden Jahr stehen. Die RZB sieht 1,20 bis 1,25 in den kommenden zwölf Monaten, wobei der Euro diese Höhen auch schneller erreichen könnte.

Selbst wenn es im vierten Quartal gute Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt geben sollte, so Hofstätter, werde das erneut nur eine vorübergehende Kursabschwächung, nur kurze Erholung für den Euro bringen: "2004 fährt der Zug nach oben." (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 1.10.2003)

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