Jack und das Weibsvolk

10. Oktober 2003, 11:39
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Antiterrorkämpfer Jack Bauer hat den längsten Tag seines Lebens mittlerweile ja hinter sich. 24 Stunden lang musste er sich mit bösen Buben und stupiden Vorgesetzten herumschlagen - ohne Weibsvolk hätte er den Job wahrscheinlich in der halben Zeit erledigt. Das scheint zumindest die Aussage zu sein, die das Autorenteam Joel Sournow/ Robert Cochran den Zusehern vermitteln wollte.

Für die weiblichen Figuren gibt es in der an sich handwerklich solide gemachten Serie offenbar nur drei Rollenbilder: Korrupt (Bauers Kolleginnen Nina Myers und Jamie Farrell), von Ehrgeiz zerfressen (Senator Palmers Frau Sherry und CTU-Kurzzeitchefin Alberta Green) oder am Rande des Nervenzusammenbruchs (Bauers Gattin Teri und Palmers-Mitarbeiterin Elizabeth Nash).

Diese hinderlichen Charaktereigenschaften äußern sich dann meist darin, dass die Frauen Befehle und Anordnungen der Männer missachten. Mit bösen Folgen: Entweder sie sterben selbst, gefährden das Leben anderer, werden verhaftet oder in die Bedeutungslosigkeit abgeschoben.

Dieses öffentlich vermittelte seltsame Frauenbild ist aber keine Errungenschaft des US-TVs. Auch im heimischen Werbefernsehen finden sich in jüngster Zeit Spots, die schaudern lassen. Bikinigirls, die diverse 0-Prozent-Fett-Drinks schlürfen und sich pausenlos kichernd betatschen. Sinnfreies Herumgehopse von Slipeinlagenträgerinnen und Shampoobenutzerinnen. Nicht nur Jack Bauer sollte einmal 24 Stunden darüber nachdenken, ob Weibsvolk tatsächlich so blöd ist. (moe/DER STANDARD, Printausgabe 01.10.2003)

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