"Liga der außergewöhnlichen Gentlemen": Reine Fiktion, reines Spektakel

19. Juli 2004, 12:22
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"LXG", die schick abgekürzte "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" - die neue Superheldenliga fürs Kino

Wien - Es war einmal im Jahre 1899, da riefen die terroristischen Aktionen des "Phantoms" eine ungewöhnliche Allianz von Superhelden auf den Plan: Reine Fiktion das Ganze, handelte es sich bei der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen doch um Figuren, die allesamt der Welt- und Abenteuerliteratur entstammen, nämlich Allan Quatermain, Captain Nemo, Dr. Jekyll (und Mr. Hyde), H. G. Wells' "Unsichtbarer" und - als Alibifrau - Mina Harker (Bram Stokers Dracula entlehnt).

Eine Form von verspieltem Co-Branding also, bei der man sich im Kino nicht ganz zu Unrecht an Godzilla versus Frankenstein erinnert fühlt. Dabei ist diese "Liga" gar keine Erfindung Hollywoods: Alan Moore und Kevin O'Neill haben sie bereits für ihre gleichnamige Graphic Novel zusammengestellt. Stephen Norrington (Blade) hat diese nun für die Leinwand adaptiert, mit Dorian Gray und Tom Sawyer zwei weitere Gentlemen hinzugefügt und sich ansonsten am zeitgenössischen Spezialeffektkino orientiert.

Entsprechend beginnt der Film mit einem Knalleffekt: Mit schweren Panzern wird die Bank von England geknackt. Anschließend überfallen die schwarz gewandeten Schergen des "Phantoms" einen verschlafenen Altherrenclub in Afrika, wo Allan Quatermain (Sean Connery) gerade über seine Beteiligung an der Liga sinniert. Wenig später muss dann eine wilde Schießerei in der gepflegten Bibliothek Dorian Grays (Stuart Townsend) für spektakuläre Bilder sorgen.

Im Unterschied zu X-Men etwa gelingt es der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (schick abgekürzt als LXG) vor diesem Tschinnbumm-Hintergrund nur ansatzweise, die einzelnen Figuren mit ihren jeweiligen seelischen Defekten zu profilieren. Das mag mit der epischen Anlage des Projekts zu tun zu haben, dessen Schluss eine Fortsetzung erahnen lässt.

Schauplätze melken

Der Film vergeigt damit allerdings ein wesentliches Potenzial der anspielungsreichen Vorlage und setzt anstatt auf Differenzierung lieber auf das, was ohnehin viele Blockbuster tun: touristische Schauplätze melken (halb Venedig wird digital animiert und mit viel Getöse zum Einsturz gebracht), mit physischen Mutationen spielen (auch hier kommt die phänomenal elastische Hulk-Hose zum Einsatz, wenn Jekyll sich in ein Ungetüm verwandelt) oder die schiere Opulenz künstlich gefertigter Welten zur Schau zu stellen.

Sean Connery gibt inmitten eines No-Star-Casts den launigen, alternden Leinwandhelden und G'schichtldrucker. Die Interaktion mit dem Unsichtbaren wirft einiges an unfreiwillig komischer Pantomime ab. Viel mehr gibt es über diesen Film nicht zu sagen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2003)

Von Isabella Reicher

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Ab 2.10. im Kino
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