Panzer als Brücke

12. Oktober 2003, 19:51
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Stand-alone-Lösungen, wie zuletzt der Voestalpine verordnet, wären in der Rüstungsindustrie eine Anleitung zum Selbstmord - Kommentar von Eric Frey

Soll ein neutrales, friedliches, ja fast schon pazifistisches Land wie Österreich Waffen produzieren? Viele Österreicher würden diese Frage instinktiv mit Nein beantworten. Doch wer die wenigen verbliebenen Waffenschmieden schließen will, der gefährdet auch Hunderte gut bezahlte Arbeitsplätze sowie zahlreiche Aufträge für heimische Zulieferfirmen.

Da Österreich der Rüstungsproduktion nicht abgeschworen hat und das Bundesheer nicht alle Waffen im Ausland erwerben will, so stellt sich für ein Unternehmen wie Steyr Spezialfahrzeuge die Frage, wie es am ehesten sein Überleben sichern kann. Das ist angesichts der weltweiten Konsolidierung der Rüstungsbranche nur im Verbund möglich; Stand-alone-Lösungen, wie sie die Politik zuletzt der Voestalpine verordnet hat, wären eine Anleitung zum Selbstmord.

EU-Gegengewicht

In der EU bemüht man sich um den Aufbau einer einheitlichen Waffenindustrie, die der US-Konkurrenz Paroli bieten und durch günstigere Preise die knappen staatlichen Verteidigungsbudgets entlasten kann. Doch Hans-Michael Malzacher schert sich nicht um diese Pläne. Er verkauft seine Mehrheit an der Steyr-Panzerschmiede an den US-Rüstungsriesen General Dynamics, der bereits mit einem Viertel beteiligt ist.

Ein Schlag gegen das vereinte Europa? Nicht unbedingt, denn auch ohne Malzachers Seitensprung bietet Europas Rüstungsindustrie kein Bild der Einigkeit. Nationale Eifersüchteleien - nicht Störaktionen der USA - verhindern immer wieder Zusammenschlüsse, die ökonomisch Sinn machen würden. Eine engere transatlantische Rüstungskooperation würde hingegen USA und EU helfen, Verteidigungskosten zu sparen und gegenseitige Spannungen abzubauen. So gesehen ist Malzachers Deal auch ein kleiner Beitrag zu besseren transatlantischen Beziehungen. (DER STANDARD Printausgabe, 1.10.2003)

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