Blondierungsversuche und Blumenkrawatten

9. Jänner 2004, 14:39
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Vier JungpolitikerInnen im UNISTANDARD-Interview - Zehn Fragen zu Studien, Gebühren und den ausgefallensten Haarschnitte

Welche neuen Studienrichtung würden die jüngsten Nationalratsabgeordneten der vier Parlamentsparteien gründen? Was war ihr ausgefallenster Haarschnitt= Wollen sie die Studiengebühren abschaffen oder gar erhöhen? Und: Würde Alf Poier ihre Stimme bei der Präsidentenwahl bekommen? Silvia Fuhrmann (ÖVP, geb. 1981), Elisabeth Grossmann (SPÖ, 1968), Elmar Lichtenegger (FPÖ, 1974) und Eva Glawischnig (Grüne, 1969) stellen sich den zehn UniStandard-Fragen.
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  1. UniStandard: Was, wo und wie lange haben Sie studiert?
    Silvia Fuhrmann: Ich bin mit 22 Jahren selbst noch Studentin an der Hauptuni Wien (Publizistik, Wirtschaftspsychologie, Philosophie) und an der Wirtschaftsuni WU (BWL).
    Elisabeth Grossmann: Jus in Graz, aber nie hauptberuflich. Ich war immer wieder berufstätig und bin seit 16 Jahren Mutter.
    Elmar Lichtenegger: Seit 1992 Informatik und Medienkommunikation in Klagenfurt.
    Eva Glawischnig: Zuerst ein Jahr Elektrotechnik in Graz, weil ich Tontechnik machen wollte. Es hat mir aber nicht gefallen, weshalb ich auf Jus umgesattelt habe.

  2. UniStandard: Studienbeitrag: Erhöhung oder Abschaffung?
    Fuhrmann: Weder noch. Ich bin aber jedenfalls gegen eine Erhöhung, da der Betrag ohnehin nicht niedrig ist.
    Grossmann: Abschaffen. Denn wer gut ausgebildete junge Menschen haben will, darf sie nicht fürs Studieren Strafe zahlen lassen.
    Lichtenegger: Weder noch. Ich halte es für sinnvoll, den jetzigen Studienbeitrag beizubehalten. Er sollte den Studenten aber zielgerichteter zugute kommen.
    Glawischnig: Ich bin für die Abschaffung der Studienbeiträge. Sie verschärfen die soziale Lage der Studierenden, wie auch im Bericht zur sozialen Lage der Studierenden sehr deutlich wird.

  3. UniStandard: Ihr ausgefallenster Haarschnitt als StudentIn?
    Fuhrmann: Ich habe nie orange oder grüne Haare gehabt. Meinen derzeitigen Haarschnitt kann man sich unter www.silviafuhrmann.at ansehen.
    Grossmann: Mir war es wichtiger, mit Leistungen aufzufallen als mit Haarschnitten.
    Lichtenegger: Der Schnitt war nicht besonders ausgefallen – eher die Farbe. Sie ist wohl am ehesten mit dem Farbton einer Eierspeise zu vergleichen: das Ergebnis eines missglückten Blondierungsversuchs.
    Glawischnig: Ich hatte lange erblondete Haare in Kombination mit einer Naturwelle und Stufenschnitt – das sah furchtbar aus . . . Damals spielte ich in einer Popband.

  4. UniStandard: Was halten Sie von Studentenverbindungen? Waren Sie in einer?
    Fuhrmann: Ich bin selbst in keiner Studentenverbindung. Ich denke aber, dass dies sehr engagierte Leute sind, die auch Freundschaften pflegen.
    Grossmann: Sehr viele Studentenverbindungen hängen längst überholten Ideologien nach und erweisen sich als frauenfeindlich. Deshalb gehöre ich auch keiner an.
    Lichtenegger: Nein, war ich nie. Studentenverbindungen halte ich dennoch für sehr wichtig, da hier sehr viele Freundschaften für die Zeit nach dem Studium entstehen können.
    Glawischnig: Ich war selber in keiner und bin außerdem skeptisch gegenüber Studentenverbindungen, weil sie meist sehr männerdominiert sind.

  5. UniStandard: Was fällt Ihnen ganz spontan zu Elisabeth Gehrer ein?
    Fuhrmann: Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
    Grossmann: Ein dringender Fall für die von der ÖVP so sehr geliebte Privatisierung. Hier würde sie erstmals wirklich Sinn machen.
    Lichtenegger: Unsere Bildungsministerin.
    Glawischnig: Meilenweit entfernt von denjenigen, für die sie als Bildungsministerin Verantwortung trägt.

  6. UniStandard: Ganz unverblümt: Orchideenstudien nur an der Boku?
    Fuhrmann: Jeder soll die Ausbildung machen, die ihm auch Spaß macht.
    Grossmann: Jeder das Ihre und jedem das Seine.
    Lichtenegger: Es ist wichtig, eine breite Palette an Studienrichtungen anzubieten. Die oft belächelten Studienrichtungen mit sehr weni 2. Spalte gen Studenten sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Universitätskultur und müssen auf alle Fälle bestehen bleiben.
    Glawischnig: Als Umweltsprecherin muss ich sagen, an der Boku gibt es überhaupt keine Orchideenstudien! Ich mag das Wort nicht im Zusammenhang mit Studien, weil es eine Bewertung der Studien nach rein ökonomischen Kriterien beschreibt, für mich ist die Uni keine reine Arbeitskräfteproduktion, sondern ein Ort.

  7. UniStandard: Wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten, welche neue Studienrichtung würden Sie gründen?
    Fuhrmann: Gesundheit, neue Technologien wie Biotechnologie.
    Grossmann: Studium für umfassendes Wohlbefinden.
    Lichtenegger: Neue Studienrichtungen entstehen laufend. Ein Forschungsprojekt rund um die Generationsproblematik wäre aber sehr interessant.
    Glawischnig: Wichtiger als neue Studienrichtungen wäre es, die Flexibilität für die Studierenden zu erhöhen und mehr individuelles Studieren zu ermöglichen.

  8. UniStandard: Was war Ihr ausgefallenster Studentenjob?
    Fuhrmann: Kellnerin.
    Grossmann: Selbst Gemachtes und Zusammengetragenes auf Flohmärkten zu verkaufen.
    Lichtenegger: Vor meiner Studienzeit habe ich öfters wochenlang am Bau gearbeitet, Straßen und Brücken saniert – echte Knochenarbeit.
    Glawischnig: Beim Oktoberfest, Hofbräuhauszelt, habe ich in zwei Wochen Bier in der Gewichtsgrößenordnung von einem Elefanten geschleppt, dazu wurde Blasmusik gespielt.

  9. UniStandard: Ihr mutigster Modeauftritt im Parlament?
    Fuhrmann: Ich glaube, weder mutig noch unmutig gekleidet zu sein. Ich kleide mich so, wie es mir gefällt.
    Grossmann: Auch im Parlament will ich durch Leistung, nicht durch Mode auffallen.
    Lichtenegger: Auf meine Krawatte mit Blumenmuster bin ich von einigen Abgeordneten persönlich angesprochen worden– sogar von Vizekanzler Herbert Haupt und Wolfgang Schüssel.
    Glawischnig: Ein an und für sich seriöses, leichtes Sommerkostüm, das aber leicht verrutscht und prompt zu bauchfreien Fotos geführt hat.

  10. UniStandard: Alf Poier for President? Schwarzenegger for Governor?
    Fuhrmann: Als Österreicher sollten wir fast zusammenhalten.
    Grossmann: Kabarettisten ins Kabarett und Schauspieler nach Hollywood. Die Probleme der Menschen sind zu wichtig, um sie mit "Hasta la vista, Baby" von einem Terminator lösen zu lassen.
    Lichtenegger: Wenn es Leute gibt, die sich einer Sache annehmen wollen, diese verantwortungsvoll und gut machen, dann haben sie Unterstützung verdient.
    Glawischnig: Arni gefällt mir im Kino besser als in der Politik. Alf wäre der unkonventionellste Präsident der Welt! (Der UniStandard, Printausgabe, 2.10. 2003)
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    Silvia Fuhrmann, Nationalratsabgeordnete der ÖVP, geboren 1981

  • Elisabeth Grossmann, Nationalratsabgeordnete der SPÖ, geboren 1968
    foto: grossmann/spiola

    Elisabeth Grossmann, Nationalratsabgeordnete der SPÖ, geboren 1968

  • Elmar Lichtenegger, Nationalratsabgeordneter der FPÖ, geboren 1974
    foto: standard/cremer

    Elmar Lichtenegger, Nationalratsabgeordneter der FPÖ, geboren 1974

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    Eva Glawischnig, Nationalratsabgeordnete der Grünen, geboren 1969

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