Mobilkom-Boss Nemsic kritisiert Hutchison ("3") wegen zu niedriger Tarife

9. Oktober 2003, 10:57
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Kontroversielle Diskussionen auf Mobilfunk- Fachkongress - tele.ring hält wenig von UMTS und Porno

Meinungsunterschiede über das Zukunftsthema UMTS und über die derzeitigen Mobilfunk-Geschäftsmodelle prägten am Dienstag eine kontroversielle Podiumsdiskussion beim IIR-Fachkongress tel.con 2003 im Wiener Hotel Marriott, zu der sich die Spitzen der österreichischen Mobilfunkbranche eingefunden hatten. Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic fand gegenüber Hutchison Austria-Boss Berthold Thoma zu dessen 0,4 Cent-Telefonietarif klare Worte: "Was ich nicht verstehen kann, ist, den Wert der Sprache zu vernichten". Schließlich seien Datendienste – auch bei UMTS – "nur die Butter, das Brot ist die Sprache", so Nemsic.

Partnerschaften "gegen die Industrie"

Wenig Freude hat der Mobilkom-Chef auch mit der Endgerätepolitik von Hutchison ("3") und T-Mobile. "3" ist eine enge Partnerschaft mit dem japanischen Handyhersteller NEC eingegangen und T-Mobile hatte erst kürzlich ein eigenes Endgerät – eine Mischung aus Kleinstcomputer (PDA) und Handy – vorgestellt. Partnerschaften zwischen Handyherstellern und Netzbetreibern sind laut Nemsic "gegen die Industrie", weil sie den Markt künstlich teilen würden und somit die Erträge für alle mindern. T-Mobile-Chef Georg Pölzl entgegnete, dass es in einem derart schnellen Geschäft unmöglich sei, Systeme für alle Betreiber gleichermaßen zu standardisieren.

"Muss ich mich als Glücksspiel- oder Porno-Unternehmen betätigen?"

Uneinig waren sich die Handy-Bosse auch über den Umfang des eigenen Geschäftsfeldes, insbesondere was Zusatzdienste betrifft. "Muss ich mich als Glücksspiel- oder Porno-Unternehmen betätigen?", fragte etwa tele.ring-Chef Hubertus Hofkirchner und spielte dabei indirekt auf die von Mobilkom und T-Mobile erworbenen Banklizenzen an, die notwendig sind, um M-Parking, die Bezahlung der Parkscheingebühr über das Handy, zu ermöglichen.

"Es mag etwas kommen, heute ist davon nichts zu sehen."

Wenig Begeisterung kann Hofkirchner derzeit für UMTS aufbringen: "Es mag etwas kommen, heute ist davon nichts zu sehen. Ich rufe zu mehr Realismus auf." T-Mobile-Chef Georg Pölzl, der mit dem UMTS-Start bisher zuwartet, vernimmt hingegen ganz andere Rufe: "Der Markt ruft nach UMTS. Mobiles Breitband wird kommen." Ebenso zuversichtlich gab sich UMTS-Betreiber Nemsic: "Der Preis pro Bit ist bei UMTS nur halb so hoch wie bei GSM", rechnete er vor.

Konflikt

Zum Konflikt um ein Verwaltungsgerichtshofurteil, das laut One die Mobilkom zwingt, drei 1800er-Freuenzen in Wien bis auf weiteres nicht mehr zu nützen, meinten sowohl One-Vorstand Christian Czech und Boris Nemsic, es gäbe "keinen Streit" und Nemsic ergänzte, dass es sich das Urteil "nur auf Formfehler beziehe". Der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger, ebenfalls am Podium anwesend, meinte zum Urteil nur lapidar: "Schadensersatz wird es nicht geben, auch nicht durch das neue TKG."

Kritik

Das neue Telekomgesetz (TKG) habe zwar eine weitere Liberalisierung und in einigen Punkten, beispielsweise bei den Konzessionen, Vereinfachungen gebracht, ein wesentlicher Mangel sei aber das Fehlen der zweiten Instanz, so Zanger anschließend im Gespräch. Kritik übte der bekannte Rechtsanwalt an den Branchenverbänden VAT (Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber) und ISPA (Internet Service Provider Austria).

Durch die Bündelung unterschiedlichster Geschäftsinteressen in diesen Verbänden sei oft viel zu spät mit rechtlichen Schritten reagiert worden, wie sich etwa bei der ADSL-Einführung durch die Telekom Austria gezeigt habe.(APA)

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    Mobilkom-Chef Boris Nemsic: "Datendienste nur die Butter, das Brot ist die Sprache"

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