Reinhard Scolik: Alles "einwandfreie Unterhaltung"

30. September 2003, 18:00
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ORF-Direktorüber die ersten Etappen der Programmreform, Grenzen des Öffentlich-Rechtlichen und den Sexismus in "Herzblatt"

STANDARD: Das sonst so ORF-freundliche "tv-media" beschwert sich über Sehermangel beim "Starmania"-Start. Haben Sie Anzeigenseiten gestrichen oder sonstwas angetan?

Scolik: Nichts. Ich bin mit den Seherzahlen voll zufrieden.

STANDARD: Mediaplaner finden unter den Neuerungen der amtierenden ORF-Spitze gar nur "Starmania" echt gelungen.

Scolik: Alles am größten Programmerfolg der letzten Jahre zu messen ist nicht richtig. "Echt fett" ist ein Erfolg, "Sendung ohne Namen", "25" liegt etwas über den Kaufserien bei den Sehern ab zwölf Jahren.

STANDARD: Weniger Jüngere?

Scolik: Dort legen wir kontinuierlich zu. Aber es gibt den Bedarf, "25" weiterzuentwickeln. Nobody is perfect.

STANDARD: "Arena" scheiterte.

Scolik: Ich sehe das noch nicht als gescheitertes Experiment.

STANDARD: Und "karls.platz"?

Scolik: Alle haben ihr Bestes gegeben, nur dieses Beste scheiterte an den Mauern des Konzepts.

STANDARD: Die Angst der ORF-Spitze verpatzte den Start ...

Scolik: Das glaube ich nicht. Solche Aufregungen führen normalerweise dazu, dass noch mehr hinschauen.

STANDARD: "Dismissed", "Bachelor": So mancher meint, Sie überschritten damit endgültig die Grenzen öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Scolik: Ich verstehe die Diskussion nicht. Ich sehe nicht ein, dass wir ein Programm nicht mitmachen könnten, nur weil es ein privater Sender macht. So kann man kein öffentlich-rechtliches Programm definieren.

STANDARD: Sondern wie?

Scolik: Indem man sich das attraktivste Fernsehprogramm für Zielgruppen sucht, das in unseren Programmauftritt passt.

Zu unserem Programmauftrag zählt sehr wohl Unterhaltung. Wenn Formate wie "Bachelor" oder "Dismissed" weltweit erfolgreich sind, sehe ich nicht ein, warum ich sie nicht machen soll.

STANDARD: Ist das "einwandfreie" Unterhaltung, wie sie in den Programmrichtlinien stand? Und was nicht mehr?

Scolik: Das ist einwandfreie Unterhaltung. Zu weit gingen sicher alle sexistischen Programme oder solche, die Gewalt verherrlichen. "Jackass" würde ich nicht machen, auch manche Castingshows.

STANDARD: Dismissed ist kein bisschen sexistisch?

Scolik: Für mich nicht. Da könnte man auch über "Herzblatt" diskutieren. (DER STANDARD, Printausgabe vom 1.10.2003)

Zur Person

Reinhard Scolik, 45, avancierte 2002 vom Wiener Landes- zum Programmdirektor des ORF.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

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