Schluss mit der Häme für die Frauenpolitik

30. September 2003, 00:00
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Die gibt's - so scheint's - ja gar nicht mehr - ein Kommentar zu den Stationen des Verschwindens

1979 - Bundeskanzler Bruno Kreisky ernennt Johanna Dohnal zur ersten Staatsekretärin für allgemeine Frauenfragen.

1995 - Johanna Dohnal tritt als Bundesministerin für Frauenangelegenheiten zurück, Bundeskanzler Vranitzky hatte es im Vorfeld bereits "als richtigen Zeitpunkt" erkannt. Ihr folgen Dr.in Helga Konrad und Mag.a Barbara Prammer.

2000 - Die FPÖVP-Regierung will die Unnotwenigkeit des Frauenministeriums erkannt haben und schafft es ab. Die Agenden wandern ins Ministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, dafür wird die sogenannte grundsatzpolitische Männerabteilung installiert.

Februar 2003 - Die Frauenagenden wandern ins Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.

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Scheint ja eigentlich alles gesichert im Bereich der Frauenpolitik. Sogar eine Ministerin kümmert sich um die Belange der Frauen, da kann ja gar nichts schiefgehen. Alles sichtbar, alles vertreten? Gendermainstreaming deluxe? Mitnichten.

Betrachtet SurferIn die Homepage des Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz wird ein durchaus lebendiges Bild des grundsätzlichen Werterahmens der schwarzblauen Regierung sichbar. Von Männerpolitik über Männergesundheit, psychische Auswirkungen von Scheidungen speziell auf Männer bis hin zu Männerberatungsstellen ist alles vertreten. Ist ja nichts dagegen zu sagen, oder doch?

Geburtsprämie und Frauenpolitik

Natürlich ist es schön, wenn sich auch Männer mit ihrer Rolle als Mann auseinandersetzen, klar. Muss so sein, Emanzipation kann nicht nur uns Frauen angehen. Doch scheint der Fokus verrutscht zu sein. Auf der einen Seite müssen Frauenprojekte mit massiven Kürzungen leben, die sie an den Rand der Selbstaufopferung beziehungsweise -auflösung führen.

Andererseits wird das Budget für die Geburtsprämie Kinderbetreuungsgeld belastet. Oder ist da eine ganz klare Logik dabei? Frauen, die vordergründig Mütter sind, brauchen ja eigentlich gar keine Beratung von Seiten der Frauenprojekte im Bereich des Arbeitsmarktes.

Gendermainstreaming oder androzentrisches Weltbild

Sämtliche medizinischen Gutachten werden hauptsächlich mit männlichen Probanten durchgeführt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass wenn über Vorsorge und Gesundheit gesprochen wird, es sich sowieso immer um "Männergesundheit" dreht. Handelt es sich bei der Politik der Bundesregierung einfach um falsch verstandenes Gendermainstreaming oder lastet das um ein Drittel höhere Einkommen tatsächlich so massiv auf den Männern, dass hier genauer hingeschaut werden muss?

Na, da kann Abhilfe verschafft werden. Das Geld wieder in Frauenprojekte stecken, unter anderem dadurch Frauen die notwenige Unterstützung zur Erreichung einer Gleichstellung am Arbeitsplatz ermöglichen und mann kann wieder erhobenen Hauptes die Straße überqueren.

(e_mu)

30.09.2003

Webtipp

Homepage des Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz
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