Netzwerk-Airlines müssen Billigfliegern weichen

8. Oktober 2003, 18:31
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AUA-Chef Sörensen: Boomende Billiggesellschaften übernehmen zunehmend die Primärstrecken - Kritik an staatlichen Beihilfen

Wien - Die tief greifenden Umwälzungen in der internationalen Luftfahrt werden sich trotz der derzeit schwersten Krise in der Airline-Geschichte weiter rasant fortsetzen. Das war eine der Kernbotschaften beim Luftfahrtsymposium am Wiener Flughafen, das sich mit der Zukunft der Luftfahrt und der "Intermodalität Luft-Schiene" am Flughafen Wien-Schwechat, an denen prominente Vertreter der Luftfahrtindustrie aus dem In- und Ausland teilnahmen. Veranstalter war der österreichische Luftfahrtverband mit dem Fachverband der Luftfahrtunternehmen in der Wirtschaftskammer Österreich.

Netzwerkgesellschaften wie die Austrian Airlines-Gruppe werden sich in Zukunft stärker auf Sekundärmärkte konzentrieren, kündigte der Vorstandsvorsitzende der AUA-Gruppe, Vagn Sörensen, an. Die Punkt-zu-Punkt-Direktverbindung der wichtigsten "Primärziele" werde dagegen zunehmend von Billigfluggesellschaften übernommen. Die AUA will vor allem ihr Netzwerk nach Mittel- und Osteuropa weiter verdichten, wo sie bisher 34 Destinationen anbietet.

Billigflieger wachsen weiter rasant

Billigfluggesellschaften setzen ihr Wachstum weiter rasant fort: Im vergangenen Jahr 2002 beförderten sie europaweit bereits 47,9 Millionen Fluggäste, um 45 Prozent mehr als im Jahr davor. Am Wiener Flughafen liegt mit Air Berlin ein Billig-Carrier bereits auf Rang 3 der beförderten Passagiere, hinter der AUA und der Lufthansa.

"Die AUA stellt sich diesem Wettbewerb, aber nur, wenn wir die gleichen Voraussetzungen haben wie die low-cost-Gesellschaften", sagte Sörensen. Konkrete Kritik übte er an Beihilfen für den irischen Billigflieger Ryanair, der für das Anfliegen kleinerer Flughäfen Unterstützungen von Kommunen und Tourismusverbänden erhält. Ryanair wurde wegen dieser Zuschüsse bereits verurteilt, weitere Verfahren wegen des Verdachts auf unzulässige Beihilfen sind anhängig. Ryanair fliegt in Österreich nach Klagenfurt, Graz und Salzburg.

Kritik an "Quasi-Monopolen"

Sörensen erneuerte seine Kritik an "Quasi-Monopolen" in der Luftfahrt wie Flughäfen und Flugsicherung, die kräftige Gewinne schrieben, während neue Kosten auf die Airlines überwälzt würden. Die erhöhten Kosten für strengere Sicherheitsmaßnahmen gegen den Terror dürften nicht allein den Fluggesellschaften aufgebürdet werden, war sich der AUA-Chef mit Flughafen-Vorstandsdirektor Herbert Kaufmann einig. "Wenn eine verursachergerechte Finanzierung gefordert wird, dann muss folgerichtig die Gesellschaft für die Sicherheitsmaßnahmen zahlen", sagte Kaufmann.

Dieser Auffassung schloss sich auch Staatssekretär Helmut Kukacka (V) an. Kukacka unterstrich auch die Bedeutung einer eigenständigen österreichischen Fluggesellschaft. Die Austrian-Gruppe mit Austrian (AUA), Austria arrows (bisher Tyrolean) und Lauda Air sollte nicht in einem der sich bildenden großen Luftfahrtblöcke aufgehen.

Eigene Airline wichtig für das Land

Eine eigene Fluggesellschaft sei auch ein wesentlicher Faktor für den Wirtschaftsstandort Österreich, ist Flughafen-Vorstandsdirektor Kurt Waniek überzeugt. Ohne starke eigenständige Fluggesellschaft würde der Flughafen Wien-Schwechat seien Drehscheibenfunktion verlieren. Internationale Unternehmen würden sich dann wohl in München ansiedeln, dem nächstgelegenen Luftfahrt-Drehkreuz nach Osteuropa. (APA)

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