Dicksein allein birgt kein Schlaganfall-Risiko

3. Oktober 2003, 10:30
posten

Hoher Harnsäurespiegel, Blutfette, Pille, Diabetes und Bewegungsmangel sind die eigentlichen Faktoren - Neurochirurgie Klagenfurt zieht Bilanz

Klagenfurt - Die Ergebnisse einer Studie zum Risiko Schlaganfall präsentierte der Chef der Neurochirurgischen Abteilung am LKH Klagenfurt, Prim. Günther Lanner, am Dienstag. Demnach ist "Dicksein allein kein Risiko". Vielmehr würden Bluthochdruck, ein hoher Harnsäurespiegel, erhöhte Blutfette sowie Diabetes die eigentlichen Risikofaktoren sein. Dazu komme der Umstand, dass die Menschen zu wenig Bewegung machen sowie auch die Verhütungspille als ein weiterer Risikofaktor, erläuterte Lanner.

Der Primarius zog vor Journalisten eine Bilanz über seine Abteilung, die seit nunmehr 35 Jahren besteht. Demnach werden an der Neurochirurgie in Klagenfurt mit 15 Ärzten und insgesamt 88 Mitarbeitern rund 2.000 Operationen pro Jahr durchgeführt. Davon entfallen etwa 250 auf die Tumor- und Gefäßchirurgie, rund 800 auf die Wirbelsäulenchirurgie, etwa 250 auf schwere Kopf- und Hirnverletzungen und rund 100 Operationen auf den Bereich Schmerzchirurgie.

Führend im Bereich Schmerzchirurgie

Vor allem im Bereich Schmerzchirurgie ist das LKH Klagenfurt österreichweit führend. So wurde eine implantierbare Schmerzpumpe entwickelt, die zu bemerkenswerten Erfolgen geführt hat. Laut Erstem Oberarzt an der Neurochirurgie, Martin Spendel, wurde mit Hilfe der neuen Behandlungsmethode bei rund 80 Prozent der Patienten Schmerzfreiheit erzielt, bei 90 Prozent konnte der Konsum von Schmerztabletten deutlich reduziert werden. Laut Erhebungen habe bei insgesamt 85 Prozent der Schmerzpatienten "die Lebensqualität erheblich zugenommen".

X-Knife

An der Neurochirurgie Klagenfurt wurde 1996 auch erstmals in Österreich das "X-Knife" für die Radiochirurgie eingeführt. Mit dieser Operationsmethode gelingt es, Hirntumore bis zu einem Durchmesser von drei Zentimetern punktgenau zu bestrahlen und somit vielen Patienten eine offene Gehirntumor-Operation zu ersparen. 1997 wurde in Klagenfurt die Neuronavigation, der Roboter in der Neurochirurgie, eingeführt.

Bettenmangel

Auf Grund der hohen Anzahl an Operationen sowie der teilweise langen Verweildauer der Patienten klagt die Neurochirurgische Abteilung am LKH Klagenfurt allerdings über Bettenmangel. Prim. Lanner gab zu bedenken, dass seine Abteilung 95 Prozent aller wirbelsäulenchirurgischen und 100 Prozent aller schweren Schädel-Gehirn-Eingriffe durchführe. In anderen Kliniken, wie etwa in Wien oder Graz, würde hingegen eine Aufteilung dieser Operationen zwischen Neurochirurgie und Orthopädie bzw. Unfallchirurgie erfolgen.

Prognose: kürzere Aufenthalte

Für die Zukunft - insbesondere nach dem Neubau des LKH Klagenfurt - rechnet Lanner aber mit einer Verkürzung der Aufenthaltsdauer und einer Zunahme der tagesklinischen Behandlungen. Er plädierte auch dafür, die vor den Operationen erforderlichen Untersuchungen möglichst schon außerhalb des Krankenhauses durchführen zu lassen.

Aus Anlass des 35-jährigen Bestehens der Neurochirurgischen Abteilung am LKH Klagenfurt findet am Freitag und Samstag dieser Woche in Velden die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie statt, zu der rund 150 Mediziner erwartet werden. (APA)

Share if you care.