US-Regierung will Zerschlagung von Microsoft in "Baby Bills"

14. Jänner 2000, 00:19

Software-Gigant habe seine Monopol-Macht missbraucht

Washington - Im Kartell-Verfahren gegen Microsoft drängen die Regierungsanwälte auf die Zerschlagung des Unternehmens als Voraussetzung für einen Vergleich. Diese Forderung hätten sie bei den Vergleichsverhandlungen mit den Microsoft-Anwälten in Chicago vorgelegt, berichteten US-Medien am Donnerstag. Es gilt als ausgeschlossen, dass der weltgrößte Softwarehersteller auf diese Forderung eingeht. "Es ist doch ironisch, dass über die Aufspaltung von Microsoft gesprochen wird, während AOL und Time-Warner den größten Zusammenschluss der Geschichte zu einem Unternehmen vollziehen, das direkt mit Microsoft konkurrieren wird", meinte ein Firmensprecher in Redmont/USA.

Herbe Niederlage

Das Unternehmen von Bill Gates hatte im November in dem von der US-Bundesregierung und 19 Einzelstaaten geführten Kartellverfahren eine herbe Niederlage erlitten. In einer Zusammenfassung der Beweisaufnahme stellte Richter Thomas Penfield Jackson fest, dass Microsoft seine Monopol-Macht missbraucht habe. Das Unternehmen habe mit der Zwangskoppelung von Windows 98 an den Internetbrowser Explorer seine beherrschende Marktstellung bei PC-Betriebssystemen missbraucht, um Konkurrenten, vor allem Netscape, aus dem Geschäft zu drängen.

Jackson legte den Parteien nahe, einen außergerichtlichen Vergleich zu schließen. Darüber wird derzeit in Chicago verhandelt. Beobachter geben diesen Gesprächen wenig Erfolgsaussichten. Kommt ein Vergleich nicht zu Stande, wird Jackson nach einer weiteren Verhandlung vor Gericht ein Urteil fällen. Es gilt als sicher, dass die unterlegene Seite dagegen Berufung einlegen wird.

"Baby Bills"

Die Zerschlagung des Unternehms in zwei oder drei "Baby Bills" - in Anlehnung an den Vornamen von Gates - ist von den Regierungsanwälten in dem Verfahren schon früh als ein Ziel genannt worden. Es gibt dafür verschiedene Modelle. Eines sieht vor, Microsoft in je ein Unternehmen für die Windows-Betriebssysteme, für Zusatzsysteme sowie für Internet-Software aufzuteilen. Branchenexperten bezweifeln aber, dass dies überhaupt machbar ist. Sie verweisen ferner auf die große Geschwindigkeit, in der sich die Landschaft der Softwareindustrie verändert. Microsoft und Windows spielten schon heute nicht mehr die dominierende Rolle wie zu Beginn des Kartellverfahrens. (APA/dpa)

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