Neue Therapien im Kommen

14. Oktober 2003, 14:11
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Kortison fast ohne Nebenwirkungen

Wien - Was die Behandlung von Asthma und/oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auf neue Beine stellen könnte: Der Konstanzer Pharmakonzern Altana hat ein inhalierbares Kortison entwickelt, das kaum mehr ein Nebenwirkungs-Risiko hat. Hinzu kommt mit einer "Viagra"-ähnlichen Substanz für die Lunge ein völlig neues Therapieprinzip. Dies wurde am Dienstag beim Europäischen Lungenkongress im Rahmen einer Pressekonferenz festgestellt.

Asthma ist in chronisch entzündliche Lungenerkrankung, an der Mastzellen und eosinophile Zellen - beides Immunzellen - beteiligt sind. Die Verengung der Bronchien ist teilweise oder ganz reversibel. Die COPD ist ebenfalls eine chronisch entzündliche Lungenerkrankung, an der vor allem neutrophile Immunzellen beteiligt sind. Die Atemwegs-Obstruktion sei nicht reversibel, die Krankheit schreitet fort", erklärte der dänische Lungenspezialist Univ.-Prof. Dr. Ronald Dahl.

Therapie-Bedarf

Bei beiden Erkrankungen gibt es - weltweit gesehen - einen enormen Bedarf an neuen und besseren Therapien. Auf der Welt leben, konservativ geschätzt, 150 Millionen Asthmatiker. Es gibt jährlich 180.000 Todesfälle. Dem stehen 600 Millionen COPD-Patienten gegenüber, von denen im Jahr 2,74 Millionen weltweit sterben. Im Jahr 2020 würden es fünf Millionen Todesfälle sein. Speziell bei der COPD gäbe es bisher kein Mittel, mit dem der Verlauf der Erkrankung verändert werden könnte.

Bronchien-erweiternde Medikamente und inhalierbares Kortison sowie Leukotrien-Inhibitoren sind die klassischen Medikamente. Doch besonders das Kortison hat potenziell schwere Nebenwirkungen: "Mondgesicht" und Infektionen. Besonders vorsichtig ist man bei Kindern, bei denen es auch zu einer Wachstumsverzögerung kommen kann.

Ciclesonid

Altana hat hier bei den inhalierbaren Kortisonen eine wesentliche Neuerung in Entwicklung, die sich auch schon in Registrierung befindet: Ciclesonid.

Ciclesonid sei ein inhalierbares Kortison, das erst in der Lunge durch Esterase-Enzyme in seine Wirksubstanz umgewandelt werde, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Dieter Ukena von der Universitätsklinik in Homburg. Es habe eine hundertfach höhere Bindung an den Kortison-Rezeptor als herkömmliches Kortison. Weniger als ein Prozent würden in den Körper aufgenommen. Durch die 99-prozentige Bindung an Proteine werde dieser Anteil aber sofort in der Leber abgebaut.

Geringe Nebeneffekte

Dadurch kommt es laut klinischen Studien zu extrem geringen Nebeneffekten. Das neue Kortison hemmt auch nicht die körpereigene Kortisol-Ausschüttung. Das weist darauf hin, dass es zu keiner unerwünschten Belastung abseits der lokalen Wirkung in der Lunge kommt.

Außerdem könne Ciclesonide beim Inhalieren nicht von der Mundschleimhaut aufgenommen werden. Das führt auch dazu, dass es nicht zum Auftreten von Pilzinfektionen im Mund komme. Dafür verantwortlich sei bei herkömmlichem Kortison der immunsupprimierende Effekt.

Positive Wirkung auf Asthma

In mehreren klinischen Studien bei Asthma-Patienten zeigte sich im Vergleich zu Budesonide bei der ein Mal täglichen Anwendung von 320 Mikrogramm Ciclesonide laut dem deutschen Experten auch in signifikant besserer Effekt auf die Lungenfunktion von Asthmatikern als bei Verwendung von 400 Mikrogramm Budesonide. Die Wirkung setzte auch um mehr als eine Woche früher ein. (APA)

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