Europarat: "Lebensfeindliche" US-Familienpolitik

30. September 2003, 13:46
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Bush-Administration verweigert Finanzmittel für Familienplanung - Sterbefälle an den Folgen von Schwangerschaft mehren sich weltweit

Straßburg - Mit große Mehrheit hat der Europarat am Dienstag in Straßburg die internationale Familienpolitik der USA als lebensfeindlich verurteilt. "Die Bush-Administration hat alle Zahlungen an ausländische Organisationen eingestellt, die irgendeine Beziehung zur Abtreibung haben. Dadurch können diese Organisationen jährlich Hunderttausende vor allem ärmerer Frauen weltweit nicht über Verhütungsmöglichkeiten informieren", sagte die niederländische Berichterstatterin Ans Zwerver in der Parlamentarischen Versammlung des Staatenbundes.

Anstieg illegaler Abtreibungen

Die Folge dieser Politik sei ein deutlicher Anstieg von illegalen und unsachgemäßen Abtreibungen sowie schwangerschaftsbedingten Sterbefällen. Zwar verfolge die USA mit ihrer so genannten "Mexiko- City-Politik" das lobenswerte Ziel, Abtreibungen weltweit zu verhindern. Das Ergebnis sei aber genau das Gegenteil. Auch in Europa könnten sich nach dem Wegfall der Mittel aus den USA nun viele Frauen die Verhütung nicht mehr leisten.

500 000 Sterbefälle jährlich

Die USA sind mit 43 Prozent der Mittel für Familienplanung der größte Geldgeber an die Vereinten Nationen. Doch könne nicht akzeptiert werden, dass die US-Regierung ihre Meinung der Welt oktroyiert, sagte die britische Sozialistin Christine McCafferty.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich weltweit mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen der Schwangerschaft. Zusätzlich verlieren jährlich 70.000 Frauen ihr Leben bei 40 Millionen Abtreibungen. (APA)

  • Durch die Bush-Administration können diverse Organisationen jährlich Hunderttausende vor allem ärmerer Frauen weltweit nicht über
Verhütungsmöglichkeiten informieren.
    bild: standard/mathias cremer
    Durch die Bush-Administration können diverse Organisationen jährlich Hunderttausende vor allem ärmerer Frauen weltweit nicht über Verhütungsmöglichkeiten informieren.
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