Neufund nach mehr als 25 Jahren

5. Oktober 2003, 21:45
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Unbekannter Brief von Descartes in Berlin entdeckt

Berlin - Ein bisher unbekannter Brief des französischen Philosophen René Descartes (1596-1650) ist jetzt in der Berliner Staatsbibliothek entdeckt worden. Wie die Staatsbibliothek am Montag mitteilte, wurde der Brief vom 2. Oktober 1640 aus Leiden an den niederländischen Diplomaten Joachim de Wicquefort (1600-1670) durch den Philosophen Erik-Jan Bos von der Universität Utrecht entdeckt, der eine Neuausgabe der Descartes-Briefe des Jahres 1643 vorbereitet.

Den Brief fand Bos in einer Mappe aus der Sammlung Darmstaedter, in der ansonsten bekannte Materialien von und zu Descartes aufbewahrt werden. Der Brief an Wicquefort ist in Französisch verfasst. Descartes befasst sich darin mit dem Manuskript der lateinischen Übersetzung seines Werkes "Météores", das er mehr als ein Jahr zuvor an den Amsterdamer Professor Caspar Barlaeus ausgeliehen hatte, der eine Kritik zu diesem damals noch nicht gedruckten Werk verfassen wollte. Als jedoch diese Kritik auf sich warten ließ, bat Descartes seinen Freund Wicquefort, auf die Rückgabe des Manuskripts zu drängen.

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts konnten nur noch vereinzelt unbekannte Briefe des berühmten Denkers entdeckt werden, der letzte Neufund liegt mehr als 25 Jahre zurück. Der jetzt in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz entdeckte Brief kam im Jahr 1926 aus dem Besitz des Berliner Industriellen Ludwig Darmstaedter (1846-1927) in die damalige Preußische Bibliothek. Die umfangreiche Sammlung Darmstaedter mit insgesamt 218.000 Autographen wurde seit 1909 nach und nach als Geschenk an die heute Staatsbibliothek zu Berlin übergeben.(APA)

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    Der französische Philosoph und Mathematiker Rene Descartes (1596-1650, undatierte zeitgenössische Darstellung), formulierte am deutlichsten die bis heute gültige Vorstellung, der Mensch bestehe aus zwei völlig verschiedenen "Substanzen": Körper und Geist. Obwohl beide nach dieser Vorstellung nichts miteinander gemein und von einander unabhängig sind, müssen sie doch irgendwie in Verbindung stehen, glaubte Descartes. Wie diese Verbindung jedoch funktioniert, war ihm ein Rätsel. Am wahrscheinlichsten erschien dem Philosophen, dass die "Brücke" irgendwo im Gehirn angesiedelt sein müsse.

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