Kein Sonderermittler für "Wilsongate"

2. Oktober 2003, 18:13
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US-Justiz untersucht CIA-Affäre um enttarnte Agentin - Konservativer Journalist will "Quelle" im Weißen Haus nicht preisgeben

Nach der öffentlichen Enttarnung einer CIA-Agentin - der Frau des früheren US-Diplomaten und Irakkriegskritikers Joseph Wilson - gerät das Weiße Haus schwer unter Druck. Medien sprechen von "Wilsongate", das Justizministerium ermittelt.

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Washington/Bagdad - Das US-Präsidialamt hat am Montag Oppositionsforderungen zurückgewiesen, die Umstände der Enttarnung der CIA-Agentin und Frau des Exdiplomaten Joseph Wilson per Sonderermittler aufklären zu lassen.

Die oppositionelle Demokratische Partei forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe Wilsons, das Weiße Haus habe die Agententätigkeit seiner Frau gezielt bekannt gemacht, um ihn als Kritiker der Irakpolitik von Präsident George Bush zu diskreditieren oder sich an ihm zu rächen. Die Washington Post hatte berichtet, zwei Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten mindestens sechs Journalisten angerufen, um den Namen der Ehefrau und ihren Beruf zu enthüllen. Bushs Sprecher Scott McClellan sagte, es sei eine interne Untersuchung zu den Vorfällen geplant.

Exgeneral Wesley Clark, einer der aussichtsreichsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten, sagte, es sei auf jeden Fall eine unabhängige Untersuchung nötig: "Diese Regierung hat mit der nationalen Sicherheit seit langer Zeit politisch gespielt, aber das geht entschieden zu weit."

Konservativer Journalist Novak veröffentlichte Namen

Die Ehefrau des ehemaligen US-Botschafters und Bush-Kritikes Joseph Wilson wurde enttarnt, indem der konservative Kolumnist Robert Novak ihren Mädchennamen Mitte Juli in einem Kommentar in der "Chicago Sun Times" veröffentlichte und darauf verwies, dass sie als CIA-Agentin mit Themen wie Massenvernichtungswaffen befasst war. Laut eigenen Angaben habe er die Information über die Identität der Spionin von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses in einem Interview bekommen, ein zweiter Mitarbeiter des Weißen Hauses habe ihm die Angaben bestätigt.

Novak will "Quelle" im Weißen Haus nicht nennen

Die CIA habe ihm auf Anfrage bestätigt, dass Wilsons Ehefrau Agentin sei, ihn aber ersucht, den Namen der Frau nicht zu veröffentlichen, sagte Novak in der CNN-Sendung "Crossfire", in der er als konservativer Moderator auftritt. Laut seinen Angaben habe ihm die CIA aber versichert, dass für die Frau bei Preisgabe ihrer Identität keine Gefahr bestehe. Er habe den Namen daher veröffentlicht und werde seine Quelle im Weißen Haus nicht nennen, unterstrich Novak. Sein Kommentar war kurz nach einem Artikel in der "New York Times" erschienen, in dem Wilson die Rede von Bush "Zur Lage der Nation" über die Irak-Kriegsgründe kritisierte.

(Reuters, AFP, AP, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 1.10.2003)

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    Die US-Justiz untersucht die CIA-Agentenaffäre

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