Nordkorea lehnt weitere Nuklear-Gespräche ab

1. Oktober 2003, 09:17
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Pjüngjang setzt auf nukleare Abschreckung

Seoul - Nordkorea hat seine ablehnende Haltung zu neuen Gesprächen über sein Atomprogramm bekräftigt und ist stattdessen nach eigenen Angaben im Begriff, seine nukleare Abschreckung auszubauen. In einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang wurde den USA am Dienstag zugleich vorgeworfen, die Gespräche nur als Vorwand zur Entwaffnung des kommunistischen Landes auszunutzen. Nordkorea ergreife "praktische Schritte zur Stärkung seiner atomaren Abschreckungskräfte als Selbstverteidigungsmaßnahme gegen einen nuklearen Erstschlag der USA".

Die Erklärung erfolgte nach dem Beginn zweitägiger Beratungen am Montag zwischen den USA, Japan und Südkorea über eine gemeinsame Verhandlungsstrategie zum nordkoreanischen Atomprogramm. Das erste Koordinierungstreffen zwischen Gesandten der drei Länder seit der ergebnislosen Sechser-Runde über eine Beilegung des Atomstreits Ende August endete am Dienstag in Tokio. Dabei sei auch ein "umfassender, schrittweiser Vorschlag" diskutiert worden, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap Südkoreas stellvertretenden Außenminister Lee Soo Kyuck nach dem Treffen.

Kein Interesse

Nordkorea habe kein Interesse an Unterredungen oder Erwartungen in Gespräche, zitierte KCNA einen nicht genannten Ministeriumssprecher. Auch habe Nordkorea "keinerlei Versprechungen hinsichtlich einer nächsten Sechser-Runde gemacht". Falls die USA versuchten, Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms zu zwingen, würde dies zu einem Krieg führen. Zugleich wiederholte der Sprecher die Forderung Pjöngjangs nach einem bilateralen Nichtangriffspakt mit den USA.

Die USA haben einen solchen bilateralen Pakt bisher abgelehnt und als ersten Schritt die überprüfbare Einstellung des nordkoreanischen Atomprogramms verlangt. Der Atomkonflikt entwickelte sich seit Oktober vergangenen Jahres, als Nordkorea nach US-Angaben zugegeben hatte, ein verdecktes Programm zur Anreicherung von Uran für nukleare Waffen zu betreiben.

"Zwecklos"

Nordkorea hatte bereits die ersten multilateralen Gespräche in Peking, an denen auch die USA, Südkorea, China, Japan und Russland teilnahmen, als "zwecklos" bezeichnet und eine vereinbarte Fortsetzung in Frage gestellt. Auch hatte Nordkorea wiederholt mit dem Ausbau seiner atomaren Abschreckung gedroht. Die anderen betroffenen Länder gehen hingegen von der Fortsetzung des Dialogs aus, für den jedoch kein Termin vereinbart worden war.

Der stellvertretende Vereinigungsminister Cho Kun Shik sagte am Dienstag vor Reportern in Seoul, die südkoreanische Regierung wolle Nordkorea ihren Standpunkt zu einer zweiten Sechser-Runde bei den bevorstehenden bilateralen Ministergesprächen Mitte Oktober in Pjöngjang erläutern. (APA/dpa)

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