Brasilien: Wichtiger Zeuge gegen Todesschwadronen erschossen

1. Oktober 2003, 09:21
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UNO-Menschenrechtsreferentin empört: behauptete "Fortschritte" der Behörden ungenügend

Rio de Janeiro - Der Besuch der UNO-Referentin für willkürliche und außergerichtliche Hinrichtungen, Asma Jahangir, in Brasilien ist von einem Mord überschattet worden. Der 24-jährige Landwirt Flavio da Silva wurde nach Medienberichten vom Montag (heute) am Samstag im nordöstlichen Bundesstaat Paraiba getötet. Erst am Dienstag hatte Da Silva sich mit Jahangir getroffen und der UNO-Referentin über die Aktionen von so genannten Todesschwadronen in Paraiba berichtet.

Sie sei bestürzt und empört, erklärte die aus Pakistan stammende UNO-Referentin in Sao Paulo. "Dieser Mord an einem Zeugen ist ein neuer Beweis dafür, dass dringend etwas getan werden muss." Die von den Behörden angeführten "Fortschritte" seien ungenügend.

Da Silva wurde nach Polizeiangaben Samstagnacht in der Gemeinde Pedras de Fogo in Paraiba getötet. Zwei vermummte Männer hätten ihn von einem fahrenden Motorrad aus in den Kopf geschossen. "Es gibt keine Zweifel: hier sollte ein Zeuge ausgeschaltet werden", meinte der zuständige Kommissar Jacob Cristo. Da Silva ist einer der vielen Zeugen, die die zumeist von Polizisten gebildeten "Todesschwadronen" mit ihren Aussagen belasten. Er hatte im vergangenen Jahr bereits einen Anschlag überlebt. Dennoch wiesen die Behörden seinen Antrag auf Aufnahme in das nationale Programm für Zeugenschutz zurück.

"Todesschwadronen" und bezahlte Killer agieren in Brasilien nach Anzeigen von Menschenrechtsgruppen und Politikern fast im ganzen Land. Jahangir will bei ihrer Brasilienreise Informationen zur Erstellung eines Berichts sammeln. (APA/dpa)

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