Ragazzi: "Friday"

    30. September 2003, 15:00
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    Elektrisches Understatement ... musikalisch, nicht unbedingt aber optisch

    "AbFab"-Dialog, sinngemäß wiedergegeben:

    Edina: Revivals! Revivals! Wohin soll das noch führen ... irgendwann gibt's ein Revival von voriger Woche.

    Patsy: Yeah, du holst deine Kleider aus der Reinigung und nennst es ein Revival.

    ... 1994 war das immerhin schon und weise voraus blickend, denn die Revival-Spirale hat sich seitdem tatsächlich immer enger gedreht. Momentan sind wir immer noch in der Neuauflage der 80er - nah genug für die Zeitzeugen, eigene Erinnerungen aufzufrischen, und knapp weit genug für die Folgegeneration, etwas für sie Neues nachzuschmecken.

    Der Sound

    Die Ragazzi gehörten zur ersten Welle derer, die sich um die Jahrtausendwende herum an die Aufarbeitung der 80er wagten - zeitgleich mit Benjamin Diamond, Phoenix oder Tahiti 80. Allen gemein war eine gewisse Luftigkeit im Sound (als fließender Übergang auch vom vorangegangenen Easy Listening-Revival der zweiten 90er-Hälfte), während derzeit schon schwerere Synthiepop-Klänge das Feld beherrschen.

    Außerdem waren ihre Referenzen weiter gestreut, wirkten noch eher über diffuses Erinnern, als dass man den Finger auf einen spezifischen Einfluss hätte legen können - während heute im Extremfall gleich der Sound von Einzelbands recycelt wird (siehe Mia und ihre Ideal-Stilübungen).

    Die neue CD

    Die grundlegende Zurückhaltung haben sich die fünf aus Berlin erhalten, auch wenn der eben erschienene Tonträger "Friday" stückweise in veritablen Synthie-Pop mündet. Genauso sind aber Einflüsse von deutschen Laptop-Klickern wie Lali Puna zu hören - und wieder retour bis Console ("Multiply", "No/Yes/No"); so weit liegen die alle denn doch nicht auseinander.

    Am besten sind die Ragazzi aber immer noch bei luftig-lockeren und bewusst schlank gehaltenen Uptempo-Stücken wie "Weekend" - muss ja nicht immer auf jedem Kanal 100 Prozent Leistung gefahren werden.

    Im Konzert

    Ob das live beim notorisch auf Niedergebügeltwerden bestehenden Wiener Publikum aufgeht, ist natürlich wieder ein anderes Paar Schuhe. Kaum kommt hier etwas ein wenig subtiler daher, hat man schon den Eindruck, in einem Klassenzimmer zu stehen, aus dem der Lehrer gerademal kurz rausgegangen ist (o bitte überrascht uns!).

    Zum Ausgleich bieten die Ragazzi, die nebenbei ein kleines Modelabel betreiben und überhaupt Wert auf thematisiertes Styling legen, Visuals als Fokuspunkt - mit optischen Anklängen an Devo oder Fischerspooner. Auch auf "Friday" sind drei Videos enthalten: Das ältere "Physical Workout" und die beiden neuen "Multiply" und "The Partner"; letzteres in Zusammenarbeit mit dem Norweger Erlend Øye (Kings of Convenience) entstanden.

    ... zu den - übrigens alles andere als unbeschwerten - Texten sei hier ausnahmsweise nichts gesagt; die werden beim Konzert mit Sicherheit untergehen. Aber da kommt ja wieder die CD ins Spiel ... (Josefson)

    CD:
    Ragazzi: "Friday" (Buback / Ixthuluh 2003)

    Ragazziworld
    • Artikelbild
      coverfoto: buback
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