Ein Anfang, nicht mehr

9. Oktober 2003, 17:54
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Ob die Wende am Ende ist, wie viele in der SPÖ jubeln, steht nicht zur Debatte - Ein Kommentar von Samo Kobenter

Das Schönste am Gefühl eines Sieges ist die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben. Das darf der oberösterreichische SP-Chef Erich Haider nun ausgiebig genießen, ebenso die Tatsache, noch nie so viele Freunde in Wien gehabt zu haben - sowohl im Rathaus als auch in der Bundesparteizentrale in der Löwelstraße. Hier wie dort hatte man seit der bitteren Niederlage bei der letzten Nationalratswahl entweder die Nase gerümpft über die forsche Gangart des eigenen Haider oder den Kopf geschüttelt über seine Sturheit - etwa in seinem hartnäckigen Festhalten am Voest-Thema, das nach Einschätzung der selbst berufenen und professionellen Analysten als von der ÖVP geradezu vorbildlich "abgespielt" galt. Die Voest, so die Meinungsforscher, werde die Wahl sicher nicht entscheiden und die ÖVP in Oberösterreich kräftig zulegen.

Das scheint nicht ganz der Fall gewesen zu sein. Möglich, dass mit Sachthemen keine Wahlen zu gewinnen sind, wohl aber mit ihrer Emotionalisierung, was auf Umwegen auf dasselbe hinausläuft: Auf diesem Klavier hat Haider den Genossen ein kleines Siegerlied vorgeklimpert, quasi mit der linken Hand.

Natürlich heißt das nicht viel für die Nationalratswahl, wann immer sie sein mag. Ob die Wende am Ende ist, wie viele in der SPÖ jubeln, steht nicht zur Debatte. Die SPÖ hat in zwei für sie schwierigen Bundesländern eine ordentliche Wahl geschlagen, sie hat auf wenige Themen gesetzt und die Hybris einer Regierung genutzt, die auf traditionell identitätsstiftende Symbole und auf das regionale Selbstbewusstsein gepfiffen hat. Oder, wie Erich Haider sagen würde: Er hat versucht, eine Politik für die Menschen zu machen. Populismus ist übrigens die negativ- dialektische Erweiterung davon, die in ihrem Vortäuschen das Gegenteil verfolgt. Man wird sehen, was die SPÖ daraus lernt. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2003)

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