Warnung über die Bande

9. Oktober 2003, 17:54
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Die Wähler goutierten Schüssels Umbaupläne offenbar nicht - Ein Kommentar von Lisa Nimmervoll

Eine "gewaltige Leistung" hätten die beiden ÖVP-Landeshauptleute von Tirol und Oberösterreich hingelegt, meinte Bundeskanzler und ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel am Wahlabend fast gönnerhaft. Angesichts der gewaltigen Hürden, die Herwig van Staa und Josef Pühringer zu überwinden hatten, muten ihre Minizuwächse tatsächlich nachgerade als titanenhafte Wahlkampferfolge unter Worst-Case-Bedingungen an.

Bedingungen, für die Schüssel höchstpersönlich verantwortlich ist: Pensionsreform, Abfangjäger und der wohl ungeschickteste Voest-Verkauf waren nicht nur ein gefundenes Fressen für angriffige Oppositionspolitiker wie SP-Landeschef Erich Haider. Die Wähler goutierten Schüssels Umbaupläne offenbar nicht und richteten ihm das quasi über die Bande aus.

Das könnte ihm nicht gut bekommen, denn Schüssel droht bei seiner Mission in Schwarz-Blau die eigenen Gefolgsleute zu verlieren - und das ist gefährlicher, als wenn ihm die FPÖ abhanden kommt. Das besorgt diese schon selbst. Auch wenn sich der Kanzler gern in der Rolle des "lonesome rider" sieht - schweigsam und gelassen -, sollte er sich doch vor Augen führen, dass er für seine Politik die Landespolitiker braucht.

Eines sollte Schüssel bei seinem coolen Machtpoker, den er offenkundig auch auf Kosten seiner Parteifreunde zu spielen bereit ist, noch bedenken: Macht und Ohnmacht eines Kanzlers hängen vor allem von der Gnade der Wähler ab. Und die sind unberechenbar. Trotz kurzfristigen Abreagierens an den Landeschefs könnten sie ein politisches Elefantengedächtnis haben, doppelt abrechnen - und dem wahren Erreger des Ärgernisses eine Abfuhr erteilen. Dann wäre die Botschaft, abgefedert durch Zwischenwahlen auf Kosten der schwarzen Landesorganisationen, bei ihrem eigentlichen Adressaten angekommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2003)

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