Bolivien: Aufruf zu unbefristetem Generalstreik

30. September 2003, 18:31
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Gewerkschaftsbund fordert Rücktritt von Präsident Sánchez de Lozada - Streiks und Proteste weiten sich aus

La Paz - In Bolivien weiten sich nach drei Wochen öffentlicher Proteste die Streiks weiter aus. Minenarbeiter und Hochschulpersonal haben zu Wochenbeginn die Arbeit niedergelegt, der mächtige Gewerkschaftsbund COB hat zu einem unbefristeten Generalstreik aufgerufen. COB-Präsident Jaime Solares fordert den Rücktritt des konservativen Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada. Die Lehrergewerkschaft wollte den Unterricht ab Dienstag ausfallen lassen.

Unterdessen setzten Bauern im Hochland die Blockade wichtiger Fernstraßen fort. Über neue Zwischenfälle wurde zunächst nichts bekannt. Bei Auseinandersetzungen zwischen Bauern und dem Militär waren vor eineinhalb Wochen sechs Menschen getötet worden.

Volksabstimmung gefordert

Die Gewerkschaften schlossen sich mit dem Ausstand den seit zwei Wochen andauernden Protesten der Bauern gegen den geplanten Export von Erdgas an. Die bisherigen Verträge mit ausländischen Gasgesellschaften sähen vor, dass der bolivianische Staat nur 18 Prozent der Erträge erhalte, machen die Kritiker geltend. Ohne eine vorherige Volksabstimmung dürfe kein Gas ausgeführt werden.

Zudem sind viele Bolivianer gegen den Gasexport über einen chilenischen Pazifikhafen, den die beteiligten Unternehmen aber wegen niedrigerer Kosten einer Ausfuhr durch Peru bevorzugen. Die Beziehungen zu Chile sind seit dem verlorenen Salpeterkrieg im 19. Jahrhundert gestört. Bolivien musste damals seine Provinz Antofagasta und damit seine einzige Küste an das Nachbarland abtreten. (APA/dpa)

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    Frauen protestieren in La Paz

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