"Spült ihn runter!"

6. Oktober 2003, 09:32
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Klodeckel-Protest gegen "Arnie"

Sacramento/Wien – In einer turbulenten Kampfszene des jüngsten Terminator-Films hauen die feindlichen Roboter Arnold Schwarzenegger und Kristianna Loken nicht nur ein weitläufiges Herrenklo, sondern auch einander lustvoll zu Klump: Da zieht Terminatrix Loken dem gegnerischen Terminator Schwarzenegger schon einmal ein Pissoir über den Schädel, und dieser revanchiert sich galant, indem er Loken mit dem Kopf voran derart wuchtig in eine Klomuschel rammt, dass die Porzellanscherben nur so in alle Richtungen davonstieben.

Obwohl die Szene laut Drehbuch unter Robotern spielt, sendet sie für politische Gegner Schwarzeneggers auch eine menschen-, genauer frauenfeindliche Botschaft, die trefflich zu anderen einschlägigen Entgleisungen des austro-amerikanischen Hollywoodstars passe.

Grapschfreie Zone

Laut Sacramento Bee sollen am Wochenende bei einer Wahlveranstaltung des – noch – amtierenden kalifornischen Gouverneurs Gray Davis Demonstranten anstatt mit den sonst üblichen Transparenten auf Klodeckeln die Forderung gestellt haben, Arnold selbst die Toilette hinunterzuspülen ("Flush Arnold!"). Die kalifornische Lokalstelle des Frauennetzwerks "Code Pink" ruft dazu auf, bei Schwarzeneggers Auftritten mit rosaroten Bändern "grapschfreie Zonen" einzurichten. Dazu versorgt "Code Pink" seine Aktivistinnen vorsorglich mit griffigen Anti-Arnie-Slogans: "Sexuelle Belästigung ist kein Familienwert!" "Kein Grapscher als Gouverneur!"

Demolierter Ruf

Aber nicht nur feministische Grassroot-Aktivisten kämpfen eineinhalb Wochen vor der Recall-Wahl am 7. Oktober in Kalifornien mit harten Bandagen gegen den Terminator. Auch Davis, der nach jüngsten Umfragen von bis zu zwei Dritteln der Kalifornier abgewählt werden könnte, fährt einen schärferen Kurs gegen seinen muskulösen Kontrahenten. Davis akzentuiert vor allem die Tatsache, dass es Schwarzenegger bei den vergangenen zwanzig Wahlen dreizehn Mal verabsäumt hat, zur Urne zu gehen – nicht eben der beste Nachweis für ein tief empfundenes politisches Engagement.

Die Strategie, Schwarzenegger frontal anzugehen, ist nicht ohne Risiko. Davis hat schon bei früheren Wahlen ausgiebig auf das Mittel des "negative campaining" gesetzt. Das mag zwar in Einzelfällen geeignet sein, um das Renommee eines politischen Mitbewerbers zu demolieren, könnte aber auch Davis' Ruf als den eines übellaunigen Misanthropen verstärken.

Schwarzenegger selbst hat am Sonntag angekündigt, dass er sich keinem TV-Duell mit Davis mehr stellen wird. Laut einer letzten Umfrage von CNN/Gallup ist es Schwarzenegger inzwischen gelungen, sich mit 40 Prozent deutlich von dem demokratischen Vizegouverneur Cruz Bustamante abzusetzen, der mit 25 Prozent an zweiter Stelle liegt. In der guten Woche, die noch bis zur Wahl am 7. Oktober verbleibt, will Schwarzenegger noch mehr als zwei Millionen Dollar aus seiner Kriegskasse für Wahlwerbung ausgeben. (DER STANDARD, Printaugabe, 30.9.2003)

von Christoph Winder

Im Endspurt des kalifornischen Wahlkampfes wird mit harten Bandagen gekämpft: Feministische Basisgruppen und Schwarzeneggers politischer Hauptkontrahent Gray Davis machen mit allen Mitteln gegen den Terminator mobil. Die Umfragen für "Arnie" stehen freilich nach wie vor gut.
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