Iran: Komitee soll sich mit IAEO-Ultimatum befassen

1. Oktober 2003, 18:49
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Blair wirft Teheran indessen vor Israel "zerstören" zu wollen

Teheran - Im Iran soll ein hochrangiges Komitee über die offizielle Reaktion Teherans auf das Ultimatum der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO bzw. IAEA) zum umstrittenen Atomprogramm des Landes entscheiden. Das berichtete die iranische Zeitung "Entechab" am Mittwoch unter Berufung auf informierte Kreise. Die IAEO hatte dem Iran eine Frist bis Ende Oktober gesetzt, um rückhaltlos über sein Programm aufzuklären.

Umfassende Inspektionen

Bis dahin müsse das Land ein Zusatzprotokoll unterzeichnen, das der IAEO umfassende und unangemeldete Inspektionen erlaubt. Andernfalls drohten Sanktionen der Vereinten Nationen. Experten der in Wien ansässigen IAEO hatten in iranischen Nuklearanlagen Spuren von waffentauglichem Uran gefunden. Vor allem die USA beschuldigen den Iran, am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran hat dagegen stets erklärt, das Programm diene zivilen Zwecken.

Komitee soll sich mit IAEO-Ultimatum befassen

Dem fünfköpfigen Komitee sollen der Zeitung zufolge unter anderem die Minister für Äußeres, Information und Verteidigung angehören. Mit einer Entscheidung werde gegen Ende dieser Woche gerechnet.

Der Iran hatte erst am Dienstag jüngste EU-Forderungen nach zusätzlichen Kontrollen seines Atomprogramms zurückgewiesen. Die EU-Außenminister hatten am Vortag engere Handelsbeziehungen zum Iran von Fortschritten in dieser Frage abhängig gemacht. Die EU befürchtet besonders einen nuklearen Rüstungswettlauf in der Region.

Vorwurf Blairs

Der britische Premierminister Tony Blair hat dem Iran indessen vorgeworfen, Israel "zerstören" zu wollen. Die "erklärte Politik" des Iran sei "die Zerstörung des Staates Israel", sagte Blair am Mittwoch in einem Interview des britischen Rundfunksenders BBC. "Wollen wir, dass der Iran Atomwaffen besitzt? - Meine Antwort ist Nein." Er hoffe, das der mit dem Iran begonnene politische Prozess funktionieren werde.

Der Irak-Krieg habe den Iran und Nordkorea dazu gebracht, mit der internationalen Gemeinschaft in den Dialog zu treten, sagte der Premier einen Tag nach seiner Grundsatzrede auf dem Labour-Parteitag, in der er den Irak-Krieg verteidigt hatte. So spreche Pjöngjang mit Washington und Peking; Teheran stehe im Dialog mit der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO). (APA/dpa)

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    IAEO-Chef El Baradei fordert den Iran auf, den UN-Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu seinen Atomanlagen zu ermöglichen. Ein hochrangiges Komitee soll das IAEO-Ultimatum prüfen.

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