Italien: Suche nach der Ursache

3. Oktober 2003, 21:54
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Die Staatsanwaltschaft versucht bereits fieberhaft die Ursache des Stromausfalls zu ermitteln - Auch die Gerüchtebörse erlebt eine Hausse, Sabotage wird nicht ausgeschlossen

Rom/Wien - Der stundenlange Blackout vom Sonntag, von dem 57 Millionen Menschen betroffen waren, hat auch mindestens fünf Menschenleben gefordert. Die Seniorinnen starben in mehreren süditalienischen Städten nach Stürzen in der Dunkelheit oder bei durch Kerzen ausgelösten Bränden, berichteten italienische Medien.

Neben den menschlichen Tragödien ist auch der wirtschaftliche Schaden enorm. Mindestens 220 Millionen Euro hat die Stromlosigkeit gekostet, rechnen die Wirtschaftsverbände vor.

In der Industrie summieren sich die Ausfälle auf rund 100 Millionen Euro, das wahre Ausmaß lässt sich jedoch noch nicht beziffern, klagt Stefano Parisi, der Generaldirektor des Industriellenverbandes Confindustria. Im Bereich Handel und Gastronomie waren rund 60.000 Geschäfte schwer betroffen, hier sollen 120 Millionen Euro verloren gegangen sein, berichtet der Kaufleuteverband Confcommercio.

Ermittlungen aufgenommen

Die Staatsanwaltschaft in Rom hat unterdessen Ermittlungen aufgenommen. Sie soll die genaue Ursache des Stromausfalls klären. Ursprünglich war von einem Leitungsdefekt in der Schweiz die Rede. Dort räumt man eine Panne ein, betont aber, die Italiener hätten zu spät auf die Unterversorgung reagiert.

Da die Ursache des Dunkels immer noch im Dunkeln liegt, wird auch Spekulationen Raum gegeben. Ein anonym bleibender italienischer Antiterrorexperte wird in der Tageszeitung Corriere della Serra mit Überlegungen bezüglich eines Sabotageaktes zitiert. "Zuerst New York, dann London und jetzt Italien. Es könnte natürlich ein Zufall sein. Es ist aber ein großer, zu großer Zufall. Sie könnten Teil eines einzigen Plans sein", lautet seine Mutmaßung.

Konstantin Staschus, Geschäftsführer des deutschen Verbands der Netzbetreiber, findet die Blackout-Häufung laut Spiegel Online ebenfalls merkwürdig. Die Ursache des US-Stromausfalls sei bis heute noch nicht klar. Die Energieversorger in Deutschland haben mittlerweile Expertengruppen eingerichtet, um mögliche Bedrohungsszenarien durch Terroristen und Internethacker zu erarbeiten.

Stromloser Alltag

Unbestritten ist, dass der Blackout am Stiefel neuerlich die Abhängigkeit des Alltagslebens von elektrischer Energie demonstriert hat. Wie sich stromlose Stunden in Österreich an einigen zentralen Stellen auswirken würden wird hier zusammengefasst.

Dunkel in der U-Bahn: Die Untergrundbahn hat zwei verschiedene Möglichkeiten, zu Notstrom zu kommen, schildert Johann Ehrengruber von den Wiener Linien. Einerseits über große Akkus, die permanent aufgeladen werden und im Krisenfall Züge und Stationen mit Elektrizität versorgen. Auch Dieselaggregate kommen zum Einsatz, wenn es länger dauert. Sollte ein Silberpfeil auf offener Strecke liegen bleiben, werden die Passagiere in weniger als einer halben Stunde herausgelotst.

Blackout im OP: Auch im Wiener AKH ist man vorbereitet, versichert Peter Csukovits, der technische Direktor. Vier Dieselaggregate springen innerhalb von 15 Sekunden an und produzieren Strom. Die empfindlichen medizinischen Geräte sind zudem an Steckdosen mit eigenen Akkus angeschlossen, um eine unterbrechungslose Versorgung sicherzustellen.

Telefon ohne Strom: Fernmündliche Gespräche sollten auch dann möglich sein, wenn sonst nichts mehr geht. Beim Handynetzbetreiber Mobilkom versichert man, dass die Sender mit Notstromaggregaten ausgerüstet sind und ein Betrieb bei großflächigem Blackout weiter möglich ist. Nur im Falle einer Flut- oder Sturmkatastrophe könnte die Energieversorgung zusammenbrechen und das Handy stumm bleiben. (apa, moe, Der Standard, Printausgabe, 29.09.2003)

  • Nach dem Stromausfall fangen die Untersuchungen an
    foto: epa/marola

    Nach dem Stromausfall fangen die Untersuchungen an

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