"Wenig Großpleiten, viele KMU-Begräbnisse"

1. Oktober 2003, 21:15
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Pleiten nehmen weiter zu - Deutlicher Anstieg auch bei Privatkonkursen

Wien - Ein Entspannung bei den Firmenpleiten ist in Österreich nicht in Sicht. Die Zahl der Unternehmenspleiten hat in den ersten drei Quartalen 2003 um 1,4 Prozent auf 4.069 Insolvenzen zugenommen. Dabei stiegen die eröffneten Verfahren um 1,1 Prozent auf 2.149 Fälle, die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge stiegen im Jahresvergleich um 1,7 Prozent auf 1.920 Fälle. Bei den Ausgleichen gab es ein Plus von 6 Prozent auf 53 Fälle, die Konkurse nahmen um 1,0 Prozent auf 2.096 Fälle zu, geht aus der am Montag veröffentlichten vorläufigen Insolvenzstatistik für die ersten drei Quartale 2003 vom Kreditschutzverband für 1870 (KSV) hervor.

Deutlich rückläufig waren im Jahresvergleich die Passiva und zwar um 30,8 Prozent auf 1,798 Mrd. Euro. Die Zahl der von einer Insolvenz betroffenen Dienstnehmer sank im Berichtszeitraum um 4,3 Prozent auf 17.800 Beschäftigte. Das heurige Insolvenzbild war von "weniger Großpleiten, aber vielen KMU-Begräbnissen" gekennzeichnet, so KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner.

Grundig vor Ankerbrot

Die größten Fälle im laufenden Jahr waren bis jetzt der Konkurs des Elektrokonzerns Grundig mit Passiva von 154 Mio. Euro, gefolgt vom Ausgleich des Wiener Brotriesen Ankerbrot mit Passiva von 89 Euro und dem Konkurs des oberösterreichischen Obstimporteurs Obst Huber mit Verbindlichkeiten von 32 Mio. Euro.

Die österreichischen Unternehmen agieren derzeit in einem tendenziell wenig kreditfreudigen Umfeld, so Kantner. Die Banken "kiefeln an den Schatten von Basel II" und prüfen Kreditansuchen immer genauer. Die Finanz und die Krankenkassen werden von der Politik in die Pflicht genommen. So sollen Unsummen an offenen Forderungen mit immer größerem Nachdruck hereingebracht werden.

Privatkonkurse kräftig gestiegen

Kräftig angestiegen sind bis Ende September die Privatkonkurse in Österreich. Die Zahl der eröffneten Verfahren erhöhte sich um 11,6 Prozent auf 2.723 Fälle. Davon wurden mit 452 Fällen um 8,1 Prozent mehr Privatkonkurse mangels Masse abgewiesen. Insgesamt nahmen die Privatkonkurse um 11,1 Prozent auf 3.175 Fälle zu. Die Passiva kletterten um dramatische 33,2 Prozent auf 437,4 Mio. Euro. Die vielen Belastungspakete der letzten Jahre und der äußerst schwierige Arbeitsmarkt lassen auch für die nächsten Jahre keinen Rückgang bei den Privatkonkursen erwarten, so Kantner. Nach Angaben von Schuldnerberatern sei die Zahl der zahlungsunfähigen Haushalte sogar weiter angestiegen, obwohl seit der Einführung des Privatkonkurses fast 20.000 Entschuldungsverfahren eingeleitet worden sind. (APA)

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KSV

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