Katzenjammer trotz Absoluter

29. September 2003, 19:59
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Unerfüllte Erwartungen bei Volkspartei - Verhandlungen mit SPÖ

"An sich ist das schon erfreulich", meint Bauernbundobmann Anton Steixner, aber eben nur an sich. Trotz der Eroberung der absoluten Mandatsmehrheit ist die Stimmung in der ÖVP gedämpft.

Plus 2,7 Prozent gegenüber 1999 sind deutlich weniger als die hochgesteckten Erwartungen. Gleich in drei der neun Bezirke hat die VP verloren (Reutte, Landeck, Lienz), ein Minus steht in 80 der 279 Gemeindeergebnis voran, darunter Lienz (-5,71 Prozent).

"Defizite bei ÖVP"

Landesrätin Elisabeth Zanon sieht "keinen Grund zur Euphorie", das Ergebnis mache "die Defizite in der ÖVP transparent". Zanon nennt Universität, Lehrer, Studenten und Frauen als Schwachstellen, wo es zu wenig gelungen sei, die Positionen der ÖVP zu transportieren. Inhaltlich sieht Landesrätin Zanon wenige Unterschiede zu den Grünen, sie will künftig das "bestehende Programm kräftiger darstellen".

Zufrieden ist Zanon damit, dass im neuen VP-Landtagsklub sechs statt zwei Frauen sitzen werden, weniger gilt das für die bündische Zuordnung: sechs Bauern-, zehn Wirtschaftsbündler und nur vier AAB-Vertreter. Der Tiroler AAB-Obmann, Verteidigungsminister Günther Platter, verweist darauf, dass zwei AAB-Kandidaten unerwartet gescheitert seien, und erwartet sich, dass nach der Regierungsbildung die AAB-Riege im Klub gestärkt wird.

Zugleich erneuert Platter den Anspruch des AAB auf das bisher von der SP verwaltete Sozialressort. Platter will Landeshauptmann Herwig van Staa keine medialen Empfehlungen bezüglich der von diesem angekündigten Koalitionsgespräche erteilen, meint aber: "Wer 20 Mandate hat, muss die bestimmende Kraft im Land sein."

Eindeutige Unterstützung für Koalitionsgespräche kommt von Zanon, Steixner und LH-Stellvertreter Ferdinand Eberle. Nachdem der ÖVP-Vorstand erst in einer Woche zusammentritt, gehen diese drei VP-Spitzen davon aus, dass van Staa sein Verhandlungsteam informell zusammenstellt und sie selbst dabei Berücksichtigung finden werden.

Erster Ansprechpartner ist die SPÖ. Zanon bedauert die vorzeitige Absage der Grünen, und Eberle wünscht sich eine von einer "starken Mehrheit des Landtages" getragene Regierung. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9.2003)

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