Lobeshymnen für Schumacher

6. Oktober 2003, 11:00
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Der Titelgewinn ist dem Deutschen quasi nicht mehr zu nehmen, bei McLaren übt man sich in Optimismus - Williams nach Pleite enttäuscht

Indianapolis - Michael Schumacher tanzte in Indianapolis vor Glück auf seinem Ferrari, Juan Pablo Montoya flüchtete wutentbrannt von der berühmtesten Rennstrecke der Welt und Kimi Räikkönen hoffte auf das Wunder in Suzuka. "Wir haben noch eine kleine Chance und die wollen wir nutzen", sagte der Finne nach dem Grand Prix der USA.

Minimale Chance für Räikkönen

Während Williams-BMW-Pilot Montoya ausgerechnet an der Stätte seines größten Erfolges die Nerven verlor und sich mit Rang sechs sang- und klanglos aus dem Titelkampf der Formel 1 verabschiedete, bleibt der junge Räikkönen im McLaren-Mercedes nach seinem zweiten Platz hinter dem stolzen Sieger Schumacher bis zum Saison-Finale am 12. Oktober in Japan mit einer minimalen Chance im Rennen um die WM-Krone.

Schumacher dämpft Euphorie

Deshalb gab sich Schumacher trotz aller Freude über seinen Triumph zurückhaltend. "Vorbei ist es noch nicht. Solange man rechnerisch nicht Weltmeister ist, ist das Rennen offen. Wir brauchen zwar nur noch einen Punkt, aber man weiß ja nie", wollte er nach seinem Husarenstreich vor 150.000 Zuschauern auf dem "Indianapolis Motorspeedway" vom Gewinn seiner sechsten Formel-1-Weltmeisterschaft noch nichts hören. "Zuerst müssen wir in Suzuka überhaupt ins Ziel kommen", gab Schumacher, dem ein achter Platz zum historischen Titel-Triumph reichen würde, zu bedenken.

Kein Zweifel in Italien

Im Ferrari-Heimatland Italien zweifelt aber niemand mehr ernsthaft, dass sich der Deutsche den Titel noch abjagen lässt. Im Ferrari-Sitz in Maranello hatten Tausende Fans das Rennen auf Großbildleinwänden verfolgt. Pfarrer Don Alberto Bernadoni läutete die Glocken just in dem Moment, als in den USA die italienische Nationalhymne angestimmt wurde. Ferrari-Chef Luca de Montezemolo meinte: "Das ist das Ergebnis von einem außergewöhnlichen Auto mit einem außergewöhnlichen Fahrer."

Italiens Presse im Taumel

Die italienische Presse begann am Montag mit ihren Lobliedern auf den Deutschen. "Schumi wie ein Gedicht, die WM ist nah", schrieb die "La Gazetta dello Sport". "La Repubblica" sieht Schumacher "auf dem Weg zur Legende". Und "Liberta" meint: "Für Suzuka ist das Fest schon vorbereitet."

70. Karrieresieg im 192. Grand Prix

Schumacher feierte in Indianapolis seinen 70. Karrieresieg im 192. Grand Prix. In den 15 Saisonrennen hat er sechs Erfolge geschafft und 92 Punkte gesammelt. Räikkönen hat in diesem Jahr in Malaysia seinen ersten und bisher einzigen Formel-1-Erfolg gefeiert und immerhin 83 Zähler eingefahren. Montoya (bisher drei F1-Siege), der 2000 in Indianapolis mit dem Sieg im "Indy 500" den bisher größten Erfolg seiner Karriere feierte, hat mit 82 Punkten indes keine Titelchance mehr. Am Sonntag war der Kolumbianer nach einem "Foul" gegen Schumachers Teamkollegen Rubens Barrichello mit einem "Drive-Through-Penalty" bestraft worden und fiel weit zurück.

Ferrari führt bei Konstrukteuren

Zudem musste Williams-BMW (144 Punkte) die Führung in der Konstrukteurs-WM an Ferrari (147) abgeben, da Ralf Schumacher wegen eines Missverständnisses mit seinen Ingenieuren nicht früh genug an die Box kam und im Regen mit falschen Reifen von der Strecke rutschte. "Das Ergebnis ist enttäuschend", gestand BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Haug bleibt Optimist

Sein Mercedes-Kollege Norbert Haug war nicht ganz so niedergeschlagen, schließlich bleibt noch die "winzige Minichance" auf den Fahrertitel. "Wir haben aufgeholt", freute er sich und verwies auf die erdrückende Ferrari-Übermacht im Vorjahr. "Wenn wir die Saison in Suzuka mit einem Sieg abschließen, wäre das wunderschön." Falls Schumacher ausfällt, würde das sogar für den Titelgewinn reichen.

Regen zur rechten Zeit

Nachdem im Jahrhundertsommer in Europa über weite Strecken die von McLaren und Williams gefahrenen Michelin-Reifen den Bridgestone-Pneus überlegen waren, kam der Regen in den USA für Schumacher gerade zum rechten Zeitpunkt. "Bridgestone hat in diesem Jahr eine Menge Kritik einstecken müssen. Ich bin froh, dass wir endlich unseren Joker, die Regenreifen, ausspielen konnte. Sie haben das Rennen für uns gewonnen", betonte Schumacher.(APA)

  • Ferrari hat den Titel wohl wieder in der Tasche.

    Ferrari hat den Titel wohl wieder in der Tasche.

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