Grassers Sparmilliarde nur die Hälfte wert

1. Oktober 2003, 17:26
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ÖBB-Aufsichtsrat Reithofer erwartet noch geringeren Nettoeffekt fürs Budet

La Wantzenau/Wien - Rund eine Milliarde Euro will Finanzminister Karl-Heinz Grasser an Staatszuschüssen für die ÖBB einsparen - bereinigt wird davon freilich höchstens die Hälfte übrig bleiben, meint Wolfgang Reithofer, stellvertretender Aufsichtsratschef der ÖBB. Die Bahn müsse künftig Arbeiten "insourcen" und als Dienstleister Aufträge von fremden Bahngesellschaften übernehmen.

Das "Hauptthema" bei Grassers Spar-Milliarde belaufe sich eigentlich auf einen Betrag von 600 bis 800 Mio. Euro, zusätzlich wolle man "noch bei den Investitionen ein bisschen einsparen, damit ergibt sich hochgerechnet eine Milliarde", rechnet Reithofer vor. "Der Nettoeffekt (für das Budget, Anm.) wird aber viel geringer, sicher weniger als die Hälfte sein." Er glaube nämlich nicht, dass es in den nächsten acht Jahren bei der ÖBB "lauter Nullohnrunden geben wird", meinte der Chef des Baustoffkonzerns Wienerberger am Wochenende während einer Dienstreise in Frankreich.

Stellenstreichungen "machbar"

Die geplante Streichung von 12.000 Jobs im genannten Zeitraum hält Reithofer - wenn rechtlich möglich - für wirtschaftlich machbar und ohne übergroße soziale Härten für durchführbar. Gut 7.000 Personen würden von allein aus dem Unternehmen ausscheiden, die verbleibenden 5.000 Beschäftigten würden aber "nicht von heute auf morgen auf der Straße stehen". Die Kündigungen und der zusätzliche Personalabbau würden sich auf "fünf bis sechs Jahre verteilen".

Die ÖBB sollten daneben aber auch alle Möglichkeiten ergreifen, um Personalkapazitäten etwa bei der Waggon-Modernisierung für andere Bahngesellschaften nutzbringend zu verwenden. "Ich bin generell kein Freund von Insourcing, aber es gibt bei den ÖBB spezielle Möglichkeiten" - indem Mitarbeiter für den ohnedies nötigen Schienenausbau eingesetzt würden.

Aufteilung "durchaus sinnvoll"

Die soeben bekannt gewordene geplante Aufteilung der ÖBB-Infrastrukturgesellschaft in einen Betriebs- und Infrastrukturteil kann sich Reithofer "als durchaus sinnvoll vorstellen". Grundsätzlich sei dies aber - ebenso wie die Entscheidungen über den Schienenausbau - eine Sache der "Hoheitsverwaltung" (Reithofer). Alles, was die Bahn von politischen Einflüssen unabhängiger mache, sei prinzipiell zu begrüßen, so Reithofer: "Die Politik interessiert sich nicht für die Bahn, die Politik interessiert sich dafür, für die Bahn nichts oder weniger zu zahlen - und das ist ja auch legitim und richtig." (APA)

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