"Viagra"-ähnliche Wirkung in der Lunge

14. Oktober 2003, 14:11
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Substanz Roflumilast hat anti-entzündliche Effekte

Wien - "Viagra" für kranke Lungen: Mit der Wirksubstanz Roflumilast will das deutsche Pharmaunternehmen Altana eine Neuerung in der Behandlung von Asthma in die Therapie einführen. Sie hemmt die Variante 4 des Enzyms Phosphodiesterase (PDE4) und hat offenbar deutliche anti-entzündliche Effekte. Das Impotenzmittel Viagra hemmt hingegen die Phosphodiesterase-5 (PDE5) und sorgt für die Erweiterung der Blutgefäße im Penis-Schwellkörper.

"Roflumilast ist ein neuer und ein Mal am Tag zu verabreichender selektiver PDE4-Hemmstoff in klinischer Entwicklung für die Behandlung von Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD, Anm.)", schrieben Michel Aubier und seine Co-Autoren in der Zusammenfassung von Studien, die Montag Vormittag beim Europäischen Lungenkongress präsentiert wurden.

Wirkungsweise(n)

Phosphodiesterase-Enzyme wirken zum Teil spezifisch in unterschiedlichen Gewebetypen des Menschen. PDE4 wird vor allem von Entzündungs-fördernden Immunzellen (neutrophile, eosinophile Lymphozyten) gebildet. Bei Asthma und COPD (zu 90 Prozent Folge des Rauchens) wandern diese Zellen in die Lunge ein und bewirken die schädliche chronische Entzündung. Das Enzym wandelt das entzündungs-hemmende zyklische Adenosinmonosphosphat in eine inaktive Form um. Die Überlegung der Wissenschafter bei Altana (Konstanz): Blockiert man diesen Prozess, mindert man auch Entzündungen.

Genau das dürfte auch gelingen. In insgesamt drei Studien mit 702 Asthma-Patienten im Alter zwischen zwölf und 71 Jahren erhielten die Testpersonen pro Tag 500 Mikrogramm des Wirkstoffs. Daraufhin wurde bereits nach einer Woche eine Verbesserung der Lungenfunktion registriert. Dies steigerte sich auch noch in einem Zeitraum von drei Monaten. Die Ergebnisse waren jeweils statistisch signifikant.

Bestätigung

Zu ähnlichen Resultaten mit je nach Probandengruppe unterschiedlichen Dosierungen des PDE4-Hemmstoffes kamen Wissenschafter in einer zweiten Studie an Patienten mit stabilem Asthma. Unter den Experten befand sich auch Prim. Norbert Vetter, Lungenspezialist von der Baumgartner Höhe in Wien.

Das deutsche Unternehmen will Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres die Zulassung des neuen Wirkstoffes in Europa beantragen. Erwartet werden jährliche Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro. (APA)

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