Problem Lungenkarzinom: Weiterhin geringe Überlebensraten

14. Oktober 2003, 14:11
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Wien - Trotz aller Fortschritte in der Medizin sind die Aussichten für Lungenkarzinom-Patienten weiterhin schlecht. Die Überlebensraten sind anhaltend niedrig. Hier könnte in Zukunft eventuell die Gentherapie eine Verbesserung herbeiführen, erklärten am Montagvormittag Experten.

"In Philadelphia beginnen meine Ex-Kollegen derzeit mit einer ersten Phase-I-Studie mit diesem Behandlungsprinzip bei Lungenkrebspatienten", sagte Dr. R. Wiewrodt von der III. Medizinischen Abteilung der Universitätsklinik in Mainz.

Der Hintergrund:

Der Wissenschafter war in den USA an einer Entwicklung beteiligt, bei der über einen Adenovirus-Vektor ("Genfähre"9 die Erbinformation für den Immunbotenstoff Interferon Beta in vom Tumor befallenes Gewebe eingebracht wird. Der Experte: "Interferon Beta hat sowohl eine direkte hemmende Wirkung auf Krebszellen als auch einen immunstimulierenden Effekt."

In mehreren Maus-Modellen funktionierte das sehr gut. Die Tiere, bei denen man eine solche Gentherapie durchgeführt hatte, überlebten zu 90 Prozent drei Monate lang. In einer unbehandelten Kontrollgruppe von Tieren lag die Lebenserwartung durchwegs niedriger als 50 Tage.

Wiewrodt: "Diese Interferon Beta-Gentherapie entfaltete einen exzellenten Effekt." Es könnte sich daraus eine Immuno-Gentherapie entwickeln.

Andere Methode

Eine andere Strategie verfolgt Dr. T. Suzuki von der Universität in Sendai in Japan. Er und seine Kollegen verschmelzen Lungenkarzinom-Zellen mit Immunzellen (dendritische Zellen). Das wird dann ein Impfstoff zur Behandlung.

Der Hintergrund: dendritische Zellen patrouillieren durch den Körper, nehmen "fremde" Substanzen auf und präsentieren sie dem Abwehrsystem so, dass die Quelle dieser Belastung gezielt angegriffen wird.

Um den Impfstoff noch stärker wirksam zu machen, brachten die Wissenschafter auch noch das Gen für Interleukin-12, einen körpereigenen Immunbotenstoff, hinein. Bei Mäusen war diese Gegenstrategie bei künstlich herbeigerufenen Lungenkarzinomen ausgesprochen erfolgreich.

So hatten unbehandelte Versuchstiere nach 20 Tagen Tumoren mit einem Gesamtvolumen von 700 Kubikmillimetern. Hingegen wuchsen die Tumoren bei behandelten Tieren binnen 20 Tagen nur bis zu einem Volumen von weniger als 200 Kubikmillimeter. Suzuki: "Das bedeutete eine Hemmung des Tumorwachstums um bis zu 80 Prozent." (APA)

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