Sieben neue Kompetenzzentren genehmigt

12. Jänner 2000, 17:35

Zwei davon wegen Geldmangels auf Warteschleife - Nach großem Andrang kündigt Wissenschaftsminister Einem eine weitere Ausschreibungsrunde an

Wien - Fünf neue K plus-Kompetenzzentren - Advanced Computer Vision (ACV), Competence Center for Biomolecular Therapeutics (BMT), Applied Electrochemistry (ECHEM), Competence Center Virtual Reality and Visualisation (VRVIS), und Wood Composites and Chemistry Competence Center Austria (WOOD) - können nach der Genehmigung durch das Wissenschaftsministerium ihre Arbeit aufnehmen. Das teilte Wissenschaftsminister Caspar Einem bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien mit.

Zwei weitere Projekte - Linz Center of Competence in Mechatronics (LCM) und Know Center (KNOW) - wurden zwar für gut befunden und genehmigt, stehen aber wegen Geldmangels vorläufig auf der Reserveliste. Einem gab sich zuversichtlich, die nötigen, zusätzlichen Mittel in der Höhe von rund 100 Millionen Schilling für LCM und KNOW noch aufzutreiben.

Bund schießt 283 Millionen zu

Der Bund schießt den Projekten - wie für K plus-Kompetenzzentren vorgesehen - jeweils 35 Prozent zu, insgesamt für die fünf Projekte knapp 284 Mill. S (20,6 Mill Euro). Gemeinsam haben die Forschungsvorhaben ein Gesamtvolumen von runde 810 Millionen Schilling.

Einem: "Europäische Spitzenforschung"

Die Hauptanforderung für die zeitlich befristeten K plus-Zentren ist, dass es sich um "europäische Spitzenforschung" handelt, betonte Caspar Einem. Weiters müssen sich mehrere Partner aus Wissenschaft - Unis oder außeruniversitäre Forschungseinrichtungen - und Wirtschaft zusammenfinden. Für die jetzt genehmigte, erste Ausschreibungsrunde waren ursprünglich 19 Anträge eingegangen, 13 waren in der engeren Wahl, sechs Vorhaben wurden abgelehnt. Geprüft wurden die Projekte sowohl von wissenschaftlicher Seite durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) als auch von wirtschaftlicher Seite durch die Technologie Impulse Gesellschaft (TiG).

Das Projekt ACV entstand mit wesentlicher Beteiligung der Austrian Research Centers Seibersdorf (ARCS), des Joanneum Research und der Technischen Universität (TU) Wien. Bei ACV dreht sich alles um die maschinelle Bilderkennung, Schwerpunkte sind Videoüberwachung, zweideminsionale Mustererkennung, dreidimensionale Erkennung, Modellierung und Bildbearbeitung. Am Forschungsvorhaben sind 15 Unternehmen aus mehreren Branchen, darunter Böhler Uddeholm oder Siemens PSE, beteiligt. Die Bundesförderung beläuft sich auf 53,6 Millionen für vier Jahre.

BMT ist eine Initiative der Universität Wien mit Schwerpunkt Immunsystemforschung am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) gemeinsam mit Forschern der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und Pharmaunternehmen. Die Wissenschafter werden sich dabei vor allem mit Identifikation und Charakterisierung von Genen beschäftigen, die für das menschliche Immunsystem von Bedeutung sind. Mittelfristig soll dies zu neuen Behandlungsmethoden für verschiedene Krankheiten führen. Als Unternehmenspartner fungieren etwa Novartis und Baxter sowie eine Reihe kleinerer österreichischer Firmen. Die Bundesförderung von 59,5 Millionen ist für vier Jahre Projektdauer vorgesehen.

ECHEM setzt sich aus mehreren universitären und außeruniversitären Gruppen aus Niederösterreich, der Steiermark und Wien zusammen, darunter etwa die Universität Wien, die Technischen Unis Wien und Graz, die ARCS sowie Arsenal Research. Behandelt werden drei Themenkreise, Elektrochemische Oberflächenbehandlung - etwa Beschichtung und Korrosionschutz -, Energiespeicherung und -umwandlung - etwa neue Batterien- und elektrochemische Umweltsanierung. Beteiligt sind auch 37 Unternehmen, etwa AT+S, Berndorf oder VA Stahl. Die Bundesförderung ist mit 66,1 Mill. S (4,80 Mill. Euro) angesetzt, die Laufzeit beträgt vier Jahre.

Virtual Reality und Visualisierung stehen im Mittelpunkt von VRVIS. Hier arbeiten Institute der TU Wien, der TU Graz und der Uni Wien mit einer Reihe vorwiegend junger Unternehmen zusammen. Das Forschungsprogramm umfasst neben grundlagenorientierten Aktivitäten auch die Entwicklung neuer Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen interaktive Visualisierung, Virtual Reality (VR) für Marketing und Entertainment oder medizinische Visualisierung. Die genehmigte Bundesförderung für die vier Jahre Laufzeit beträgt 45,5 Millionen Schilling.

WOOD verknüpft Boku-Forschungswissen mit Industriekompetenz aus mehreren Bundesländern und soll an den Standorten Wien und Linz betrieben werden. Durch die Entwicklung neuer Methoden zur Holzbe- und -verarbeitung sollen die Eigenschaften von Holz in unterschiedlichen Bearbeitungsstufen als Werkstoff verbessert und neue Einsatzmöglichkeiten geschaffen werden. An Unternehmen beteiligen sich etwa Agrolinz Melamin, Egger, Funder, Josko, Krems Chemie oder Lenzing. Bundesförderung wurde in der Höhe von 58,8 Millionen Schilling gewährt, auch dieses K plus-Zentrum wird vorläufig vier Jahre arbeiten.

LCM und KNOW auf der Reserveliste

Auf der Reserveliste finden sich LCM und KNOW. LCM beschäftigt sich vor allem mit Mechatronik, ein relativ junges Forschungsgebiet an der Schnittstelle von Mechanik und Elektronik. Der Kern der an diesem Projekt beteiligten Forscher stammt von der Uni Linz, mehr als 30 Partner - vornehmlich Klein- und Mittelbetriebe - würden sich beteiligen, falls das Zentrum zu Stande kommt. Nötig wären 54,5 Millionen Bundeszuschüsse.

KNOW soll sich am Standort Graz mit dem Thema Wissensmanagement auseinander setzen. Unter den Forschern finden sich Mitarbeiter von TU und Uni Graz sowie Joanneum Research. Als Arbeitsschwerpunkte sind Fragen der Wissensspeicherung und intelligenten Abfrage gespeicherten Wissens vorgesehen. Von Firmenseite sind etwa Verlage - Bohmann, Leykam oder Styria - beteiligt. Für die Verwirklichung müsste das Wissenchaftsministerium 52,2 Millionen Schilling auftreiben.

Einem über Andrang überrascht

Minister Einem gab sich überrascht über den Andrang zu den K plus-Zentren. "Die ursprüngliche Annahme, dass in Österreich nur rund zwölf solcher Zentren geben könne, muss revidiert werden", so Einem und kündigte - entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten vorausgesetzt - eine weitere Ausschreibungsrunde an. (APA)

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