Frauen-Epidemie "RaucherInnen-Husten"

5. Oktober 2003, 12:29
3 Postings

Raucherinnen bei COPD bereits gleichauf mit den Männern - Weibliche Lunge reagiert stärker auf Schadstoffe

Wien - Raucherhusten, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), tödliches Emphysem. - So sieht derzeit die Kaskade einer "Frauen-Epidemie" aus, die sich bei den Lungenerkrankungen weltweit abspielt. Durch den zunehmenden Zigarettenkonsum haben die Frauen bei der COPD in den westlichen Industriestaaten die Männer bereits eingeholt und sind dabei, diese sogar zu überholen, warnten am Sonntag Experten beim Europäischen Lungenkongress (bis 1. Oktober) mit 15.000 Teilnehmern im Austria Center Vienna.

"In Dänemark sterben derzeit 65 von 100.000 Männern pro Jahr an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Unter den Frauen sind es bereits 45 Todesfälle pro 100.000 und Jahr", erklärte Dr. Giovanni Viegi, Umwelt-Lungenspezialist aus Pisa (Italien).

<>

Die COPD entwickelt sich zu gut 90 Prozent aus der ständigen Lungenschädigung durch die Rauchinhaltsstoffe. Das Atemvolumen nimmt oft fünf Mal schneller als "normal" mit zunehmendem Alter ab. Die chronische Bronchitis kommt hinzu. Schließlich geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis inklusive Infektionen und Episoden, in denen ihre Lungenfunktion nicht mehr ausreicht. Am Ende steht die Lungenblähung (Emphysem).

Weibliche Lunge reagiert stärker auf Schadstoffe

Der größte Teil dieser Besorgnis erregenden Entwicklung ist auf den Zuwachs der Fälle bei den Frauen zurück zu führen. Viegi: "Dabei reagiert die Lunge der Frauen an sich schon stärker auf Schadstoffe als die Lunge der Männer. Das Atemvolumen ist von Geburt an geringer." Somit multipliziert sich gerade bei den Frauen der negative Effekt der Zigaretten. Doch sie beginnen zunehmend früher zu rauchen und rauchen mehr Zigaretten.

Dr. Sonia Buist von der Universität von Portland im US-Bundesstaat Oregon: "In Großbritannien stieg zwischen 1990 und 1997 der Anteil der Männer, bei denen eine COPD diagnostiziert wurde, von 1,4 auf 1,5 Prozent. Bei den Frauen erhöhte sich dieser Anteil aber von 0,8 auf 1,4 Prozent."

Zuerst COPD, dann Lungenkrebs?

Die "neue" Frauen-Epidemie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) könnte aber auch nur der "Bote" für eine noch viel schlimmere Entwicklung sein: Frauen holen auch beim Lungenkarzinom im Vergleich zu den Männern auf. Wahrscheinlich erfolgt dies zeitversetzt zu dem eher auftauchenden Auftreten der COPD.

Freilich, die Frauen sind gerade bei der COPD noch schlechter dran als die Männer. Die US-Expertin Dr. Sonia Buist: "Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird bei den Frauen viel zu oft nicht diagnostiziert." Sie gelte fälschlicherweise noch immer als "Männer-Leiden".

Deshalb wäre es besonders wichtig, dass speziell Raucher und Raucherinnen regelmäßig zur Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) gehen. Dann könnte man erste Alarmsignale erkennen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.