"Tagesspiegel" verkauft an Holtzbrinck-Mann Gerckens

21. Oktober 2003, 13:28
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Kartellproblem: Manager bekommt Tochter - Scharfe Kritik vom Bauer-Verlag - Mit Hintergrund und Chronologie

"Sowohl andere Bieter als auch das Wirtschaftsministerium wurden an der Nase herumgeführt", sagte der Sprecher des Bauer-Verlags Andreas Fritzenkötter. Anlass: Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft ihren "Berliner Tagesspiegel" an Pierre Gerckens, einen Manager aus dem eigenen Haus. Bauer bot mit um den "Tagesspiegel".

Der 65-Jährige Gerckens war geschäftsführender Gesellschafter beim "Handelsblatt". Gerckens scheide sofort aus dem Aufsichtsrat der Verlagsgruppe aus, so Holtzbrinck. Gerckens, auch Vizepräsident des deutschen Verlegerverbandes, spricht von "selbstständiger und unabhängiger Verlegertätigkeit". Branchenkreise mutmaßten über eine Strohmannfunktion, bis die Regierung das Kartellrecht lockert. Holtzbrinck dementiert.

Gerckens sanierte "Südkurier"

Das Kartellamt untersagte Holtzbrinck, als Eigner des Tagesspiegels die "Berliner Zeitung" zu übernehmen. Daraufhin beantragte der Verlag bei Wirtschaftsminister Wolfgang Clement eine so genannte Ministererlaubnis (etat.at). Die "Berliner Zeitung" will Holtzbrinck weiterhin erwerben. Clement legte Holtzbrinck den Verkauf des Tagesspiegel nahe.

Gerckens, seit Studienabschluss 1968 beim Handelsblatt, sanierte für Holtzbrinck auch schon den "Südkurier" in Konstanz. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD; Printausgabe, 30.9.2003)

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