Heimische netztechnische Versorgungssicherheit "nicht unkritisch"

29. September 2003, 18:25
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Österreich von Italien-Ausfällen nur am Rande getroffen - Nord-Süd-Leitungen aber schwach

Wien - Die Stromausfälle in Italien am Wochenende haben in Österreich zwar zu einigen kleineren kurzfristigen Ausfällen geführt, die Netze hätten aber planmäßig in Ordnung gebracht werden können. Das sagte Heinz Kaupa, technischer Vorstandsdirektor der Verbund-Austrian Power Grid AG (APG), am Montag. "Es hätte ärger sein können". Die Leitung von Lienz nach Italien sei nach einem massiven Spannungsanstieg in den frühen Morgenstunden vom Netz genommen worden. Der starke Spannungsanstieg habe auch zum Ausfall von Pumpen in einigen Kraftwerken geführt.

Durch netztechnische Maßnahmen seien diese Ausfälle wieder in Ordnung gebracht worden, das normale Lieferprogramm sei in Österreich ab 9.00 Uhr wieder gelaufen, sagte Kaupa. Es habe auch einige kleinere Stromausfälle gegeben, im Großen und Ganzen hätten die Netze aber alles aufgefangen. Stromausfälle in Österreich in einem so großen Ausmaß seien zwar unwahrscheinlicher als in Nordamerika oder Italien, technisch aber nicht auszuschließen, so Kaupa. Die Nord-Süd-Leitungen seien schwach. Netztechnisch sei die Versorgungssicherheit "nicht unkritisch".

"Drastische Situation" in Europa

Die gestrigen Stromausfälle in Italien seien eine "drastische Situation" in Europa gewesen. Glück sei gewesen, dass Italien am Rande Europas liege, erläuterte der Vorstandsdirektor. Die europäischen Netzbetreiber seien dabei, die Vorfälle zu analysieren. Wenn eine Hauptleitung ausfalle, habe das Auswirkungen auf größere Gebiete. Man sei dabei, Europas Engpasssituation globaler zu sehen. Es gebe "Hot Spots" in Europa, etwa in den Niederlanden, Belgien, Norddeutschland und Italien. Wichtig sei eine möglichst optimale Nutzung der bestehenden Netze.

Auch um eine Verstärkung der bestehenden Netze werde man in Europa nicht umhin kommen, nicht nur durch Leitungsneubau, sondern auch den Ersatz bestehender Netze, erklärte Kaupa. Eine der Ursachen für die Netzproblematik in Europa sei die Windkraft, in Deutschland beispielsweise seien in den vergangenen Jahren 12.000 MW dazugekommen. In Österreich werden es heuer zusätzlich 450 MW sein, in zwei Jahren gingen dann voraussichtlich bereits 1.000 MW ins Netz. Dazu komme, dass in ganz Europa Kraftwerke still gelegt worden seien, das fehle dann auch im Netz. (APA)

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