Massenmarkt für mobile Videotelefonie

9. Oktober 2003, 12:37
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UMTS-Studie sieht neue Killerapplikation gekommen

Nach einer Studie von TCP Terra Consulting könnte sich vor allem die mobile Videotelefonie als UMTS-Anwendung zu einem Massenmarkt entwickeln. "Unsere Untersuchungen haben eine hohe Nachfrage und Kaufbereitschaft für mobile Videotelefonie ergeben. Es spricht daher derzeit vieles dafür, dass die mobile Videotelefonie für den Endkunden der einzige echte Mehrwertdienst sein könnte aus der Vielfalt der angebotenen UMTS-Dienste", so Michael Sander, Geschäftsführer der TCP Terra Consulting Partners GmbH. Die Untersuchung steht damit in krassem Gegensatz zu Erkenntnissen des Handy-Weltmarktführers Nokia, der mangels Publikumsakzeptanz auch bei neueren Produkten auf Videotelefonie verzichtet.

Nachgefragt

Die deutsche Studie will dagegen eine große Nachfrage besonders in Zusammenhang mit den so genannten "4F" - Familie, Freunde, Ferien und Freizeit festgestellt haben. "Hierbei geht es um Kommunikationsbedürfnisse, die alle eine sehr hohe emotionale Bedeutung für den Konsumenten haben. Für die Akzeptanz im Markt ist es von entscheidender Bedeutung, dass gerade die mobile Videotelefonie analog zur Sprachtelefonie 'auf Knopfdruck' funktioniert", sagte Sander.

Bedarf

"Das Bedürfnis, sein Gegenüber auch im bewegten Bild zu sehen oder es an besonders schönen Momenten teilhaben zu lassen, ist im engsten Freundes- und Bekanntenkreis besonders hoch. Nur konnte dieses Bedürfnis bislang nicht mobil befriedigt werden. Daher ist der Nutzeneffekt für den Konsumenten besonders hoch und ebenfalls seine Bereitschaft für einen derartigen Dienst zu zahlen", betont Sander.

Märkte

Unterschiedlich sei die Situation im Geschäftskundenmarkt. Auch dort spiele der Quantensprungeffekt eine wichtige Rolle. Allerdings habe das beim Datenfunk schon vor einigen Jahren stattgefunden. "Damals gelang es mit dem Einsatz von SMS zahlreiche Geschäftsprozesse bei der Außendienst-steuerung oder telemetrischen Anwendungen völlig neu zu strukturieren. Diese neuen Geschäftsprozesse haben damit weitgehend bereits ihre Anpassung an die mobile Welt vollzogen. Damit ist auch ein großer Teil des Kostensenkungspotenzials realisiert worden. Durch den Einsatz von UMTS-Diensten wird zwar die technologische Basis optimiert, aber es ist nicht zu erwarten, dass die mobilen Serviceangebote auf ein bislang noch nicht entdecktes Effizienzsteigerungspotenzial stoßen", sagt Sander.

Probleme

In diesem Umfeld habe es auch die mobile Videotelefonie schwer, ihren Platz zu finden. Untersuchungen von TCP haben ergeben, dass mögliche Einsatzfelder am ehesten in Branchen zu finden sind, die durch eine hohe Komplexität in ihren Geschäftsprozessen und durch einen relativ geringen Grad an IT-Penetration in der Branche gekennzeichnet seien. Das trifft auf Teile des technischen Außendienstes oder im Spezialanlagen-Maschinenbau zu. Interessanterweise, so die Ergebnisse aus TCP-Befragungen, auch in der Bauindustrie und im Facility Management.

Mobil

"Branchenübergreifend ist die Erkenntnis, dass die mobile Videotelefonie ideal geeignet ist für das Produktmanagement. Vor allem in Unternehmen, die sehr stark ihre Neuproduktentwicklungen an verteilten Standorten vorantreiben, kann die mobile Videotelefonie effizienzsteigernd wirken. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ein derartiges Handy zu einem individuellen und überall einsetzbaren Arbeitsgerät wird. Das steht ganz im Gegensatz zum Einsatz und zur Akzeptanz bisheriger professioneller Videokonferenz-Lösungen über Festnetz. Kaum ein Mitarbeiter konnte derartige Anlagen bedienen und die Verfügbarkeit war niemals spontan und überall verfügbar", bemerkt Sander. (pte)

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