Gründerförderung unter Druck

5. Oktober 2003, 19:49
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Auch der gewerbliche Forschungsfonds bräuchte zusätzliches Geld

Der Hilferuf nach Aufstockung der unter Vorjahresniveau liegenden Budgets der beiden Forschungsfonds FWF und FFF ist bisher nur teilweise auf offene Ohren gestoßen. So bekam der überwiegend auf Grundlagenforschung an Universitäten und der Akademie der Wissenschaften abgestellte FWF von Infrastrukturminister Hubert Gorbach mittlerweile grünes Licht, heuer Förderanträge im Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro zu bewilligen.

Bei dem für die betriebliche Forschungsförderung zuständigen FFF hingegen blieb der Ruf nach Millionen aus dem Offensivprogramm 2004 bis 2006 bis dato ungehört. Sehr zum Ärger von Wirtschaft und Forschungsrat, die - bisher vergeblich - auf frisches Geld drängen. So ist der FFF heuer gezwungen, noch mehr Vorgriffe auf das Budget 2004 vorzunehmen, Darlehen zu gewähren und Haftungen zu übernehmen als je zuvor - um zumindest das Bewilligungsvolumen des Vorjahres in Höhe von 245 Millionen Euro halten zu können. Besonders hart treffen könnte dies innovative Firmengründungen: Diesen droht nämlich ein Austrocknen des FFF-Fördertropfs, wenn die vor zwei Jahren initiierte Start-up-Initiative (siehe Grafik) nicht rasch mindestens 20 Mio. Euro bekommt, heißt es beim Fonds. Ein Auslaufen würde dem nationalen Forschungsplan zuwider laufen, gibt dieser die Forcierung der Gründungsdynamik in wichtigen Technologiesektoren doch als prioritäre Zielrichtung vor.

Eine Zwischenbilanz dieses Start-up-Aktionsprogramms nach zwei Jahren kann sich sehen lassen: 186 Start-ups bekamen in der finanztechnisch heiklen Frühgründungsphase insgesamt 41 Mio. Euro an Förderungen. Um in den Genuss einer solchen Hilfestellung - im Wesentlichen ein Mix aus nicht rückzahlbaren Zuschüssen und einer niedrigeren Darlehensquote, als bei FFF-Projekten sonst üblich - zu kommen, darf die Firma nicht älter als drei Jahre sein, maximal 50 Mitarbeiter beschäftigen und muss ein technisch ambitioniertes Projekt vorlegen können.

Unterm Strich erreicht der FFF damit in der Start-up-Förderung Barwerte bis 30 Prozent der Projektkosten. Legen die Bundesländer auch noch was drauf, lässt sich der Barwert EU-konform noch einmal bis maximal 50 Prozent der Projektkosten erhöhen.

Unterstützung bekommt der FFF vom Forschungsrat, der eine Finanzierungsempfehlung im Ausmaß von 3,63 Mio. Euro ausgesprochen hat. Damit würde jedoch nur rund ein Zwölftel des bisherigen Fördervolumens abgedeckt.

Übrigens: Der FWF hat gegenüber dem Vorjahr nun rund 7,5 Mio. Euro mehr zum Verteilen. Um "echtes" Geld handelt es sich dabei jedoch nicht, sondern um einen Mix aus Vorgriffen und Umschichtungen. "Gorbach war wirklich äußerst kooperativ", lobte FWF-Präsident Georg Wick das Verhandlungsergebnis. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 9. 2003)

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