Innovative Drehscheibe für die Regionen

5. Oktober 2003, 19:49
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Gründergeist versprühen möchte Rudolf Schießl in den Regionalen Innovationszentren Niederösterreich (RIZ). Mit Elke Ziegler sprach er über die Notwendigkeit, im Technologiebereich aufzuholen, und die Ängste der Forscher vor der Selbstständigkeit

STANDARD: Jeder spricht über Innovation, meist ohne genau zu wissen, was damit gemeint ist. Was meinen Sie als Geschäftsführer einer Holding, die regionale Innovationszentren betreibt, damit?

Schießl: Wir verstehen Innovation sehr breit gefächert. Unsere Kernaufgabe ist es, Unternehmensgründungen - besonders in technologisch höherwertigen Bereichen wie den Informationstechnologien oder der Biotechnologie - zu unterstützen.

STANDARD: Im Unterschied zum klassischen Clusterkonzept sind die RIZ nicht direkt an akademische Forschung bzw. Ausbildung angebunden. Ist das nicht ein Problem?

Schießl: An jenen Standorten, wo sich die zukunftsträchtigen Branchen ansiedeln, übernehmen wir den Clustergedanken. Krems ist ein solches Beispiel: Es gibt ein renommiertes Institut für Biomedizin an der Donauuniversität und seit 2002 einen Fachhochschullehrgang für pharmazeutische Biotechnologie. Diese Bildungseinrichtungen wurden zum Kern des neuen Zentrums. Wir wollen da eine Drehscheibe zur Errichtung der Infrastruktur und für diverse Beratungsangebote sein.

STANDARD: Wie kann sich Niederösterreich gegen Wien abgrenzen?

Schießl: Wir können keine Konkurrenz zu Wien sein, weshalb wir etwa in der Biotechnologie abgestimmt vorgehen. Krems ist definitiv kein Standort für Grundlagenforschung, da sind die Einrichtungen in Wien zu stark. Krems ist ein Standort für angewandte Forschung, die kurz vor der Implementierung in den Markt steht. Hier wollen wir die Infrastruktur anbieten, damit dieser letzte Schritt gemacht werden kann.

STANDARD: Wie viele Wissenschafter sind unter Ihren Gründern?

Schießl: Biotechnologie und Medizin sind natürlich stark wissenschaftlich besetzt. Bei der Biotec System GmbH, einer der ersten Ausgründungen der Donauuniversität, die sich auf die Leberersatztherapie spezialisiert hat, fungiert beispielsweise ein Absolvent des Biomedizinischen Instituts als Geschäftsführer. In unseren klassischen Bereichen wie Informationstechnologien und Kommunikations-bzw. Werbedienstleistungen hingegen wollen sich meist ehemalige Angestellte selbstständig machen.

STANDARD: Warum finden sich unter den Absolventen von IT-Studien wenige Unternehmer?

Schießl: Das Dilemma ist, dass besonders an den technischen Hochschulen das Klima für Selbstständigkeit nur unzureichend vorhanden ist. Die Angst vor Zahlen und Business ist zu groß. Man muss die Studierenden und die Absolventen darauf hinstoßen, dass eine Karriere als Unternehmer mindestens genauso interessant ist wie ein guter Job in einem Konzern.

STANDARD: Viele erfahrene Forscher, die Unternehmen gegründet haben, meinen aber, dass sie es jungen Leuten nicht raten können, sich gleich nach dem Studium selbstständig zu machen. Stattdessen sollten sie anfangs lieber Erfahrungen in Unternehmen oder an der Uni sammeln.

Schießl: Dieses Problem ist uns bekannt. Trotzdem glauben wir, dass das Bewusstsein für Selbstständigkeit als Berufsoption gehoben werden muss. Daneben sprechen wir auch etablierte Forscher an, die tolle Ergebnisse produzieren, aber kein Interesse an einer wirtschaftlichen Nutzung haben. Deshalb beginnen wir jetzt mit der Internetplattform "Start together", über die sich Wissenschafter und Geschäftsleute finden sollen.

STANDARD: Wie sehen Sie Ihren Beitrag zu einer Standortstrategie Niederösterreichs?

Schießl: Die Idee der Gründerzentren ist vor 15 Jahren aus der damals schlechten wirtschaftlichen Situation entstanden. Große Unternehmen sind abgewandert oder in Konkurs gegangen, man suchte nach Alternativen. An den Wurzeln sollte etwas Neues entstehen. Diese Strategie fiel damit zusammen, dass man parallel zum Beschluss für eine eigene Landeshauptstadt die Regionen stärken wollte. Die RIZ bieten bedarfsgerechte Hilfestellung. Im Grunde muss aber jede Region selbst massiv mitarbeiten, damit lokale Stärken hervorgehoben werden können.

STANDARD: Wo sehen Sie RIZ in zehn Jahren?

Schießl: Ich wünsche mir, dass der Gründergedanke noch stärker Fuß fasst. Eine Ausweitung des RIZ-eigenen Netzes ist derzeit nicht absehbar, wir bieten unser Konzept aber Kommunen und Privaten in einem Franchisesystem an. Und als wichtigstes Element möchten wir gerade bei technologielastigen Standorten wie Krems unseren Beitrag zur Entwicklung von Clustern leisten. Niederösterreich hat im Technologiebereich einiges aufzuholen.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 9. 2003)

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