Keiner dreht das Licht ab

5. Oktober 2003, 19:49
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Um die Endlichkeit der fossilen Energieträger und ihre Auswirkungen auf das Klima macht sich kaum ein Verbraucher Gedanken

Schneller, schöner, toller - und vor allem von allem immer mehr. Alles soll funktionieren - und am besten ad infinitum: die Heizungen, die Lichtanlagen; die Kühlschränke, Trockner und Computer; die Flugzeuge im Stundentakt, die Schnellzüge, die Erst- und Zweitautos. Das alles verbraucht Energie: die Fabriken, die Flugzeuge, der Verkehr und die Häuser. Aber genauso wie das Wissen um die Endlichkeit der fossilen Energieträger und ihre fatale Auswirkungen auf das Klima längst verbürgt ist, ist es noch kaum in den Köpfen der Verbraucher gelandet. Die Belastbarkeitsgrenzen sind bereits überschritten, aber dennoch will niemand auf die Annehmlichkeiten einer modernen Gesellschaft verzichten. In Zukunft ist ein weiterer dramatischer Anstieg des Energieeinsatzes sicher zu erwarten. Und das bedeutet: Energiesysteme werden in Zukunft effizienter funktionieren müssen.

Die Politik erkennt langsam ihren Handlungsbedarf - und hat Initiativen ins Leben gerufen, ebensolche Projekte zu forcieren und zu fördern. "Energieeffizienz" heißt das neue Zauberwort zur Problemlösung. Und tatsächlich gibt es auf Bundes- und Landesebene zahlreiche Ausschreibungen, in denen Unternehmen aufgerufen sind, genau solche effizienten Energienutzungmodelle zu erarbeiten und in diese zu investieren - um in weiterer Folge in den Genuss öffentlicher Förderungen zu kommen. An den bereits neu erforschten Energieformen würde eine notwendige Trendumkehr nicht scheitern: Photovoltaik (direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mittels Solarzellen), Biodiesel, Solarthermie, Kraft-Wärme-Kopplung, feste Biomassenutzung mit Pellets zum Beispiel, Passiv- oder Niedrigenergiehaus sind nur wenige Schlagworte in der langen Liste von alternativen Energieformen, in denen Österreich innerhalb der EU in manchen Bereichen, wie zum Beispiel Solarthermie oder Biodiesel, federführend in der Forschung ist.

"Jetzt geht es um eine Wissensverbreitung und darum, dass die neuen Errungenschaften Standard werden", sagt Wolfgang Streicher, Professor am Institut für Wärmetechnik an der Technischen Universität Graz. Streicher ist auch Juryvorsitzender des Calls "Rationelle Energienutzung" des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), dessen Einreichfrist vom 29. September bis 2. Oktober läuft. Die Ausschreibung, so Streicher, wurde bewusst ganz breit gehalten, und so können alle Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien von Wiener Unternehmen eingereicht werden, wie zum Beispiel von Windenergie über Deponie- oder Klärgas bis hin zu Neuerungen in der Wellen- und Gezeitenenergie, "und dass, obwohl Österreich nicht an einem Meer liegt - und Wien schon gar nicht", sagt Streicher schmunzelnd. Das ist jetzt auf Landesebene in Wien passiert und wurde auf Bundesebene vom Bundeministerium für Verkehr, Innovation und Technik (BMVIT) unter den Impulsprogrammen "Haus der Zukunft", "Fabrik der Zukunft" und derzeit auch "Energiesysteme der Zukunft" auch schon forciert. Die Projekte, die dafür eingereicht wurden, sind unterschiedlicher Art: Dort geht es etwa um verbraucherseitige Maßnahmen in einem liberalisierten Energiemarkt, um umweltrelevante Wärmepumpen, um die Entwicklung eines neues Schaumproduktes aus proteinreichen Abfallprodukten, um Sonnenkollektoren für mehrgeschoßige Wohn- und Bürobauten, um Maiskolbengranulat für eine neue Schlüsseltechnologie in der Erzeugung von Biodiesel. Was hier weit gehend wie Fachchinesisch klingt, sind letztlich ein paar wenige Beispiele zur Verbesserung der Energieeffizienz, auf die man in Zukunft mehr oder minder angewiesen sein wird.

Wolfgang Streicher von der TU Graz hat Hoffnung. In der Wärmedämmung, weiß er, sind die Standards heute doppelt so gut wie noch vor ein paar Jahren. Das heißt: der Energieverlust ist nur noch halb so groß wie früher. In Graz kann er, wenn er will, schon Biodiesel tanken und seinen Stromerzeuger, wenn er Ökostrom will, selbst wählen. "Es tut sich was." (Mia Edilhuber/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 9. 2003)

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