Hofburg-Starmania?

6. Oktober 2003, 18:46
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Barbara Coudenhove-Kalergi warnt die Grünen in ihrer Kolumne davor, eine Zählkandidatin aufzustellen

Sollen die Grünen eine Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl aufstellen und damit einen zweiten Wahlgang erzwingen? Jeder weiß, dass Eva Glawischnig gegen die mutmaßlichen Kandidaten Heinz Fischer und Benita Ferrero-Waldner nicht gewinnen kann. Ein Antreten als Zählkandidatin wäre also nichts anderes als ein Mittel zur Profilierung.

Dafür spricht aus Parteiperspektive manches, aber dagegen spricht mehr: ein Verlust an Glaubwürdigkeit. Wer sich für ein Amt bewirbt, sollte wenigstens theoretisch bereit sein, es auch auszufüllen. Eine begabte und ehrgeizige junge Politikerin will aber gewiss einen Repräsentationsjob wie Bundespräsidentin nicht haben - und sich für etwas bewerben, was man nicht nur nicht haben kann, sondern auch nicht haben will, ist nicht ganz ehrlich. Glaubwürdigkeit aber zählt gerade für die Grünen zu den wichtigsten Atouts.

Gewiss, kleine Parteien brauchen Öffentlichkeit und Medienaufmerksamkeit, und Wahlkämpfe bieten dafür Gelegenheiten. Man kann sagen, wofür man steht, und bei vielen Fernsehauftritten Sympathiepunkte sammeln. Und beim zweiten Wahlgang kann man immer noch jenen Kandidaten empfehlen, den man sowieso von allem Anfang an vorgezogen hat, in unsrem Fall also Heinz Fischer.

Solches Kalkül kann freilich auch schief gehen. In den USA hat das bei der letzten Wahl der Grüne Ralph Nader vorexerziert. Er bewarb sich in aussichtsloser Position um das Präsidentenamt, um gegenüber dem anständigen, aber etwas lahmen demokratischen Kandidaten Al Gore deutlichere ökologische und soziale Positionen zu vertreten.

Das Resultat war, dass er gerade so viele Stimmen bekam, um dem Demokraten den unumstrittenen Wahlsieg zu vermasseln - wenn auch mit einigem Zutun der republikanischen Wahlmanager in Kalifornien.

Dieses Szenario sei in Österreich nicht möglich, sagen die Grünen, weil sie bei Wahlen erfahrungsgemäß nicht nur den Sozialdemokraten, sondern auch der ÖVP Stimmen wegnehmen. Und gegenüber der ÖVP-Außenministerin wäre eine grüne Frau für manche ÖVP-Wählerin eine gangbare Alternative. Mag sein. Dennoch würde eine grüne Präsidentschaftskandidatur die Klarheit der kommenden Bundespräsidentenwahl verwischen. Mit Heinz Fischer, dem so gut wie sicheren Kandidaten der SPÖ, gibt es seit langem wieder einen für breite Kreise akzeptablen und profilierten Gegenpol zu allem, wofür die schwarz-blaue Regierung steht, von der Provinzialität bis zur ewig lächelnden Eventkultur, die manches Finstere zudeckt. Warum nicht den Österreichern vom ersten Wahlgang an ein sauberes Entweder-oder zumuten?

Wenn nur nicht die FPÖ auch noch jemanden nominiert, womöglich Magda Bleckmann. Denn dann besteht die Gefahr, dass die Präsidentenwahl vollends zur Starmania-Wahl verkommt, nach dem Motto: Hätten Sie lieber die schöne Blonde, die aparte Brünette oder die elegante Schwarze? Man kann sich vorstellen, was manche Medien mit einer solchen Kandidatenauswahl anstellen würden, zulasten der Substanz und ungeachtet aller Bemühungen der Bewerberinnen um Seriosität.

Manche finden das Amt des Bundespräsidenten und damit dessen Wahl überhaupt überflüssig. Ich meine das nicht. Das Staatsoberhaupt ist die Verkörperung dessen, was ein Land ist und, im besten Fall, sein sollte. In Deutschland waren das seinerzeit Heuss und Weizsäcker, in Österreich Körner und Kirchschläger. Wir sollten aufpassen, dass die nächste Wahl nicht durch zu viel Taktik instrumentalisiert und damit trivialisiert wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2003)

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